Abschlussveranstaltung, September 2022

In virtuellen Veranstaltungsräumen hat das Projekt noch einmal die Chance genutzt, neue digitale Wege auszuprobieren und zugleich mit einem festlichen Rahmenprogramm Abschied genommen. Die Teilnehmenden konnten mit einem Avatar durch die Lobby, das Auditorium und den Außenbereich spazieren; sich mit anderen zu zweit oder in Gruppen austauschen; Videos, Selbsthilfezeitung und -Comic anschauen und sich in ein Gästebuch eintragen. Im Vordergrund des Hauptprogramms standen die Projektergebnisse sowie ein Vergleich der Befragungen von 2017 und 2022. Die Ergebnisse wurden ergänzt durch einen Impulsvortrag von Dr. Birthe Tahmaz (ZiViZ) zu digitalen Chancen und Herausforderungen für das Ehrenamt. Die abschließende Talkrunde bot Gelegenheit sich mit den Wegebegleiter*innen des Projekts über Erkenntnisse, Wünsche und Ziele für die Selbsthilfe auszutauschen.

Gemeinsam neue Wege gehen

Seit dem Start im Oktober 2016 haben wir eine große Wegstrecke zurückgelegt. Initiiert von KISS Hamburg und der AOK Rheinland/Hamburg stand das Projekt vor der Aufgabe ein neues, zukunftsweisendes Onlineangebot für die Selbsthilfeunterstützung in Hamburg zu entwickeln. Von Beginn an war es wichtig, alle Akteure der Selbsthilfe in Hamburg einzubinden und Raum für gruppen- und organisationsübergreifenden Austausch zu bieten. Dies gelang insbesondere mit dem vierteljährlichen Forum. Interessierte aus der Selbsthilfe und angrenzenden Praxisfeldern konnten sich anhand von Best-Practice-Beispielen und Impulsen zu digitalen Themen austauschen und Anregungen für die eigene (ehrenamtliche) Arbeit gewinnen. Mit einer umfangreichen Befragung wurden zudem die Bedarfe, Vorbehalte und Wünsche gegenüber neuen digitalen Wegen ermittelt. Mit der KISS Hamburg Selbsthilfe-App wurde schließlich Anfang 2020 ein handfestes Projektergebnis präsentiert. Nicht zuletzt in der Corona-Pandemie hat sich bestätigt, dass das Projekt zum richtigen Zeitpunkt gestartet ist. So wurde über den Chatbereich der App die Kommunikation mit Betroffenen während des Lockdowns erweitert und zusätzlich DSGVO-konforme Chaträume mit Videokonferenz für Selbsthilfegruppen eingerichtet. Das Forum ging als Video-Livestream online und Selbsthilfeaktive lernten in Online-Workshops digitale Anwendungen kennen.

Ehrenamt in Krisenzeiten

In ihrem Vortrag ging Dr. Birthe Tahmaz (ZiViZ) anhand einer aktuellen Studie der Frage nach, wie sich die pandemiebedingten Veränderungen auf das ehrenamtliche Engagement und die Selbsthilfe auswirken. So sei die Führungsebene zu Beginn der Pandemie vorrangig mit organisatorischen Umstellungen und der Vermittlung von digitalem Know-how befasst gewesen, bei gleichzeitiger Überlastung mit Aufgaben und Ausdünnung der Führungskräfte. Deshalb sei es wichtig die Potentiale digitaler Werkzeuge anzuerkennen und zu nutzen. Etwa um neue Engagierte digital zu gewinnen, schneller auf Veränderungen reagieren zu können, für Entlastung zu sorgen oder online neue Spender zu finden. Vor allem aber sei es wichtig über den eigenen Tellerrand zu blicken und „engagegementbereichsübergreifendes Transferwissen“ zu nutzen. Denn, so betonte Dr. Birthe Tahmaz bewundernd „die Selbsthilfe ist ein krasses Vorbild“.

Analog und digital

Auch die Befragungsergebnisse des Projekts bestätigen, dass die Corona-Pandemie sich in allen digitalen Bereichen als Beschleuniger erwiesen hat. So hat sich die Akzeptanz und Bedeutung von digitalen Austauschformen für die befragten Selbsthilfeaktiven von 31% (2017) auf 58% (2022) fast verdoppelt und mehr als die Hälfte (54%) möchten die Möglichkeit, sich zumindest teilweise online zu Treffen auch in Zukunft beibehalten. Zitat: „Online-Dienste sind nicht mehr wegzudenken. Neue Mitglieder können gewonnen und Infos schneller verteilt werden. Videokonferenzen unterstützen kranke Menschen, Alleinerziehende etc. in der Teilhabe“ (Mitglied einer Selbsthilfeorganisation zum Thema Down-Syndrom). Digitale Gruppentreffen und Angebote können die Teilhabe und den Zugang in die Selbsthilfe erleichtern, sofern Betroffene über digitale Ausstattung und Kompetenz verfügen. Insofern stellt die App eine wichtige Erweiterung der Angebote von KISS Hamburg dar. Gleichzeitig bleibt die analoge persönliche Begegnung weiterhin zentraler Bestandteil der gemeinschaftlichen Selbsthilfe und trägt maßgeblich zur Prävention und Gesundheitsförderung bei. Das Projekt endet am 30.09.2022.

Herzlichen Dank an alle Mitstreiter*innen und Interessierte!

Abbildung: Virtueller Eingangsbereich der Abschlussveranstaltung

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