Forum Neue Wege in der Selbsthilfe

Das Forum ist Teil des von KISS Hamburg und der AOK Rheinland/Hamburg gemeinsamen initiierten Projekts „Neue Wege in der Selbsthilfe“ und richtet sich an Interessierte und Expert*innen in und außerhalb der Selbsthilfe, die sich über die Zukunft der Selbsthilfe austauschen und praktische Handlungsoptionen für ihre Arbeit gewinnen möchten. Rückblick
 

9. Forum "Resilienz und Selbsthilfe in Krisenzeiten", Okt. 2020

Ein rasches Ende der Corona-Krise scheint derzeit nicht in Sicht. Diese Situation stellt uns alle vor enorme Herausforderungen. Wie können wir besonders schwere Zeiten gut überstehen und gemeinsam Widerstandskraft entwickeln? In einem Livestream mit praktischen Übungen und Tipps für den Alltag ist das Forum „Neue Wege in der Selbsthilfe“ dieser Frage nachgegangen.

Hier können Sie das 9. Forum noch bis zum 8.11.2020 anschauen

8. Forum "Generationswechsel und Nachfolge gut gestalten!", Juni 2020

Wir haben die Krise als Chance genutzt und sind bei unserem 8. Forum mit einem Video-Livestream neue Wege gegangen. Das Thema des Forums „Generationswechsel und Nachfolge gut gestalten!“ bewegt hingegen viele Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen nach wie vor ganz analog.

Besonderheiten der Selbsthilfe

Christine Kirchner, Organisationsentwicklerin und Coachin, konnte anhand von Beispielen aus der Selbsthilfepraxis die besonderen Herausforderungen für Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen aufzeigen. Demnach stehen die Werte der Selbsthilfe in einem Spannungsverhältnis zu den funktionalen Anforderungen einer Organisation. Zudem führt die persönliche Betroffenheit zu einer ganz eigenen Organisationskultur. Durch das Teilen der persönlichen Erfahrung entsteht ein kollektives Wissen und die Kompetenz, die Selbsthilfe auszeichnet und sie so erfolgreich macht.

Unterschiede anerkennen und loslassen

Dieser Erfolg hat jedoch seine Tücken, wenn es darum geht den Staffelstab weiterzugeben. Nachfolger*innen sehen sich oftmals hohen Anforderungen gegenüber, während Amtsinhaber*innen fürchten, ihr Erfahrungsschatz gehe verloren. Der Leitsatz: „Jede*r hat das Recht auf die eigene Schuhgröße!“ schafft Christine Kirchner zufolge den notwendigen Raum für Nachfolger*innen, um in das neue Amt hineinwachsen zu können. Von Amtsinhaber*innen erfordere Nachfolge vor allem „loslassen“ und „das ist ein wirklich schwerer Job!“. Christine Kirchner rät deshalb, die Nachfolge möglichst früh und immer wieder in der eigenen Gruppe oder Organisation zu thematisieren.

Tipps aus der Praxis

Die Teilnehmenden hatten Gelegenheit vor- und während des Video-Livestreams eigene Fragen zu stellen. Dies ermöglichte Christine Kirchner ganz konkrete Tipps zu geben. So sollten einzelne Mitglieder nach Möglichkeit persönlich angesprochen werden. Bei geäußerten Vorbehalten hilft es genau nachzufragen und gemeinsam zu schauen, was für die Nachfolge realisierbar wäre. Aufgaben können zum Beispiel auch auf mehrere Schultern verteilt werden. Zudem ist es hilfreich die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Das verschafft einen Überblick und erleichtert die Einarbeitung. Darüber hinaus kann eine gemeinsame „Kultur der Anerkennung“ dazu motivieren, sich mit einem Amt in der Gruppe oder Organisation zu engagieren. Einen, von Teilnehmenden geäußerten, allgemeinen Trend zu mangelnder Verbindlichkeit konnte Christine Kirchner dagegen nicht bestätigen. Eher sollte geschaut werden, an welchen Hebeln noch gedreht werden kann, ganz nach dem Motto: „Wer keine Nachfolge findet hat noch nicht alles probiert!“.

Das Forum hat gezeigt, dass Nachfolge ein Prozess ist, der alle Mitglieder einer Selbsthilfegruppe oder Selbsthilfeorganisation betrifft und in der Regel einen längeren Atem braucht. Da gilt es sich nicht entmutigen zu lassen. Die gute Nachricht ist, dass Nachfolge häufig klappt, auch bei jüngeren Gruppen.

Sie finden keine Nachfolge? KISS Hamburg unterstützt sie gerne!

Auftakt 2. Projektphase: KISS Hamburg geht neue Wege

Mitte Februar 2020 hat das Projekt „Neue Wege in der Selbsthilfe“ zum feierlichen Kick-off der zweiten Projektphase ins Haus des Sports eingeladen. Wie schon zum Projektauftakt vor gut drei Jahren, waren mehr als hundert Menschen aus allen Bereichen rund um die Selbsthilfe zusammengekommen. Selbsthilfeaktive sowie Expert*innen aus dem Gesundheitswesen und der App-Entwicklung lernten die Highlights der KISS Hamburg Selbsthilfe-App kennen und tauschten sich über spannende App-Projekte der Selbsthilfe sowie Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps aus. Mit buntem Filzstift und Humor brachte die Illustratorin Sina Arlt die Höhepunkte der Veranstaltung zeitgleich und ganz analog auf Papier.

„Was wir daraus machen, das bestimmt die Wertigkeit einer Veränderung.“ Dr. Pedram Emami

Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von „mündigen Patient*innen als Dreh- und Angelmoment der Selbsthilfe“. Neue Technologien eröffneten vielfältige Chancen, aber auch die Möglichkeit von Fehlentwicklungen und ethischen Irrwegen. Dennoch bleibe es wichtig „bei aller Achtsamkeit, die Chancen nicht verstreichen zu lassen, die sich aus der Digitalisierung und den modernen Technologien ergeben“. Es gelte „neue Wege zu gehen, Neues zu versuchen – vielleicht auch mal daran zu scheitern und dann wieder von neuem einen Versuch zu wagen“.

Auch Gabriele Schippers, Geschäftsbereichsleitung der AOK Rheinland/Hamburg und Wegbereiterin des Projekts „Neue Wege in der Selbsthilfe“, betonte in ihrem Grußwort wie wichtig es sei, dass die Selbsthilfe die Chance der Digitalisierung nutzt. Gesundheits-Apps seien ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Gesundheitskompetenz. Im Bereich der digitalen Selbsthilfe stehe aber vieles erst noch am Anfang. Ziel sollte es daher sein, sie aktiv zu gestalten und da sei Hamburg bereits auf einem guten Weg.

Anke Heß führte durch die wichtigsten Stationen der vergangenen drei Projektjahre. So hat das Projekt bereits eine gute Wegstrecke zurückgelegt und kann nun mit der KISS Hamburg Selbsthilfe-App ein handfestes Ergebnis präsentieren. Daran anknüpfend zeigte Stefan Stadler, Geschäftsführer der vmapit GmbH, wann die Entwicklung einer App für kleinere Vereine und gemeinnützige Organisationen sinnvoll sein kann und welche Vorteile sich für KISS Hamburg durch die eigene App ergeben. Die Möglichkeiten und Highlights der App wurden anschließend von Claudia Schröder direkt mit ihrem Smartphone für alle Teilnehmenden sichtbar gemacht. Somit war dies auch der offizielle Kick-off für die KISS Hamburg Selbsthilfe-App.

In ihrem Impulsvortrag erweiterte Anja Burmann vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik den Blick hin zum aktuellen Stand von Forschung und Entwicklung. Dabei verdeutlichte sie den Unterschied zwischen der Masse an verfügbaren Wellness-Apps und der noch relativ geringen Anzahl von CE-gekennzeichneten medizinischen Gesundheits-Apps. Anhand ausgewählter medizinischer App-Projekte zeigte sie die Herausforderungen und Möglichkeiten der aktuellen Entwicklung auf. Demzufolge bieten medizinische Gesundheits-Apps die Chance für ein gesundheitsbewussteres Verhalten und eine bessere Einbindung von Patient*innen in ihre Versorgung. Gleichzeitig können mangelnder Datenschutz, fehlende Transparenz und Kontrolle, aber auch Fehlfunktionen und Fehlbedienung ein Risiko darstellen. Angesichts von Gesundheits-Apps auf Rezept braucht es daher vor allem klare Regelungen und Zulassungskriterien.

"Mit kleinen Abwechslungen im Pflegealltag können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gemeinsam einen neuen Rhythmus finden." Annika Koch, Alzheimer Gesellschaft

Auch innerhalb der gesundheitlichen Selbsthilfe sind in den vergangenen Jahren wichtige App-Projekte entstanden. Zwei in ihrer Herangehensweise unterschiedliche Beispiele aus der Praxis konnten exemplarisch vorgestellt werden. So führte Annika Koch von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft durch die App Alzheimer & You. Sortiert nach verschiedenen Kategorien von Freizeit bis Vorsorge bietet die App Tipps zur Alltagsgestaltung an. Nutzer*innen können eigene Vorschläge einreichen, die wiederum mit Sternchen bewertet werden können. Somit bietet die App interaktive Unterstützung für jeden Tag. Das Besondere der App ist auch ihre Entstehungsgeschichte: Sie ist aus einem Jugendwettbewerb hervorgegangen.

„Daraus haben wir gelernt!“ Arnfred Stoppok, Diabetiker Niedersachsen

Arnfred Stoppok und André Owczarek von Diabetiker Niedersachsen e.V. können mit der App DIA-AID ein soziales Netzwerk für Betroffene, Angehörige und Pflegende vorzeigen, dass vor allem Datenschutzvorteile gegenüber großen Anbietern wie Facebook oder WhatsApp bietet. Nutzer*innen können sich in verschiedenen Chatbereichen vernetzen, austauschen und gegenseitig helfen, ohne die Kontrolle über ihre Daten und die Kommunikation zu verlieren. Ganz nach dem Motto: „Aus Fehlern lernen und Erfahrungen teilen“ ist es ihnen wichtig, sich gut zu vernetzen und auszutauschen, um gegenseitig von Erfahrungen zu profitieren.

In der Abschließenden Diskussionsrunde wurden verschiedene Aspekte der App-Entwicklung für die gesundheitliche Selbsthilfe noch einmal aufgegriffen. Für Dima Chotin vom Podcast Stille Wasser liegen die Vorteile klar auf der Hand: „Die App habe ich immer dabei und verwende sie schon jetzt mehr als die Homepage von KISS Hamburg“. Im Hinblick auf die Zukunft waren sich alle darin einig, dass Gesundheits-Apps viele Chancen bieten, wenn wir uns der Risiken bewusst bleiben und die Entwicklung aktiv mitgestalten. Denn letztendlich bestimmen die Nutzer*innen den Wert einer App.

In diesem Sinne freuen wir uns auf viele Downloads der KISS Hamburg Selbsthilfe-App und auf Ihr Feedback!

Rückblick Projektauftakt 2017

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