Hamburgs Mann für Inklusion im Gespräch

Herr Raule, Sie sind Senatskoordinator für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Was genau sind Ihre Aufgaben und was reizt Sie daran?

Ralph Raule: Der Titel meines Amtes ist sehr lang und er sagt auch schon viel über meine Aufgaben beziehungsweise unsere Vorhaben aus. Zunächst geht es um Menschen mit Behinderungen; das ist primär der Fokus. Ferner geht es um die Gleichstellung. Das führe ich gleich noch ausführlich aus. Bleibt noch das Wort Senatskoordinator. Man könnte denken, ich koordiniere den Senat. Das klingt zunächst witzig und man stellt sich so einiges darunter vor. Aber ganz so ist es nicht. Es geht darum, dass ich zusammen mit meinem Arbeitsstab zwischen den Menschen mit Behinderungen und dem Senat vermittle; also beide Seiten zusammenbringe, für beide Seiten werbe und für Verständnis auf beiden Seiten sorge. Dieser Prozess geschieht immer lösungsorientiert, so dass im besten Fall am Ende ein Ergebnis steht, mit dem alle zufrieden sind.

In erster Linie greife ich mit meinem Team die Bedürfnisse und Anliegen der Menschen mit Behinderungen auf. Wir prüfen in der Verwaltung, warum Anliegen liegen bleiben, warum bestimmte Vorhaben nicht umgesetzt werden. Hierzu stehen wir in engen Kontakt mit den Behörden, Verbänden und der Zivilgesellschaft und suchen gemeinsam nach Lösungen. In diesem Kontext ist es manchmal sehr wichtig, dass wir einen direkten und schnellen Draht zu den Behördenleitungen haben. Es kommt uns dabei entgegen, dass wir ressortübergreifend arbeiten können, dass wir unabhängig und vor allem auch weisungsungebunden sind. Das öffnet oft sehr schnell Türen und gibt uns Handlungsspielraum. Umgekehrt unterstützen wir aber auch den Senat darin, dass er seinen Aufgaben in Bezug auf Menschen mit Behinderung gerecht wird und deren Bedürfnisse abdecken kann. Denn es gibt viele Anfragen – parlamentarische – oder auch redaktionelle, die wir dann mit unserer Expertise am besten beantworten können. Soweit zur Aufgabenstellung.

Was mich persönlich betrifft, so liegt der besondere Reiz im Amt in der vielfältigen und umfangreichen Aufgabenstellung. Und besonders interessant ist für mich auch, dass ich als selbst betroffener Mensch bisher meist in der Position des Antragstellers war. Durch mein neues Amt bin ich jetzt jedoch in der Lage Hürden abzubauen, auf Augenhöhe mit den Behörden zu sprechen – und kann auf Ungleichheit aufmerksam machen und so Veränderungen herbeiführen. Zusätzlich liegt der Reiz in dem besonderen Networking. Das klingt gerade für jemanden, der selbst nahezu taub ist und in vielen Bereichen auf Kommunikationsbarrieren trifft, vielleicht sonderbar. Aber es ist wirklich so: Ich liebe es zu kommunizieren und nehme jeden Kanal wahr, der es irgendwie möglich macht zu kommunizieren: sei es in Lautsprache, sei es in Gebärdensprache, sei es mit kommunikativer Unterstützung jeglicher Art. Der bekannte Psychologe und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick sagte einst: „Man kann nicht nicht kommunizieren”. So sehe ich das auch: Wir Menschen sind soziale Wesen und derart gestaltet, dass wir in der Tat „nicht nicht“ kommunizieren können. Das trifft besonders auf mich zu: Meine Einschränkungen sind folglich nicht meine Hemmnisse, sondern meine tagtäglichen Herausforderungen und das liebe ich. Ich hoffe sehr, dass diese Vorliebe für Herausforderungen mir in meinem neuen Amt hilft, möglichst viele Menschen an einen Tisch zu bringen, zu überzeugen und ich so mit ihnen gemeinsam das wichtige Thema Inklusion in unserer Stadt voranbringen kann.
 

Ist Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen dasselbe wie Inklusion? Über Inklusion wird gefühlt viel mehr gesprochen bzw. geschrieben als über Gleichstellung.

Gleichstellung ist für mich ein Zustand, den wir durch Inklusion als Prozess anstreben und dann beibehalten wollen. Im Gegensatz zum Thema Integration, bei dem wir vorher die unterschiedlichen Menschen separiert und später wieder zusammengefügt haben, wollen wir bei Inklusion das Separieren vermeiden. Wenn man von Inklusion spricht, spricht man von einer Gesellschaft, in der alle Menschen gleichberechtigt dazu gehören. Alle Menschen können sich aussuchen, wo sie wohnen, welchen Sport sie treiben, welchen Beruf sie ergreifen wollen usw., und sie können selbstverständlich ihr Recht auf freie Arztwahl ausüben. Kinder spielen und lernen gemeinsam und profitieren von Anfang an voneinander. Bei Gleichstellung haben wir alle die gleichen Rechte und sind trotz unserer Unterschiede gleichberechtigt. Es ist wichtig dabei zu betonen, dass wir Menschen eben nicht alle gleich sind, sondern eben sehr vielfältig. Wir haben aber alle die gleichen Rechte.   
 

Wie ist Ihre Erfahrung nach ca. 100 Tagen? Oder überspitzt gefragt: Kämpfen Sie in Hamburger Behörden gegen Windmühlen oder rennen Sie offene Türen ein?

Ich würde jetzt lügen, wenn ich sagen würde, es läuft alles glatt: Da ich aus der freien Wirtschaft komme, ist der Sprung in die Behörde schon ein großer Sprung. Ich stelle fest, es gibt ein sehr ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis in einer Behörde und das kann ich zum großen Teil auch nachvollziehen. Das erklärt schon Manches, wie bei Behörden gearbeitet wird und warum vieles länger dauert. Aber als Mensch mit Behinderungen muss man nicht unbedingt immer für alles Verständnis haben. Ich sage oft, es gibt viele gute Gesetze und Verordnungen, aber es dauert oft zu lange, bis es bei den Menschen mit Behinderungen ankommt. Auch bei mir als Senatskoordinator ist das jetzt gerade nicht anders –  und das ist auch gut so, wenn ich nicht anders behandelt werde als anderen Hamburgerinnen und Hamburger mit Behinderungen. Denn dann vergesse ich nicht, was ich früher schon selbst häufig genug erlebt habe und es lässt mich dann nur energischer in meinen Handlungen werden.
 

Wo sehen Sie in Hamburg die größten Handlungsbedarfe bezüglich der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen?

Momentan besteht dringender Handlungsbedarf beim Fachamt für die Eingliederungshilfe. Das hat inzwischen fast jeder in Hamburg mitbekommen und ist kein Geheimnis mehr. Hier an unserem Arbeitsstab häufen sich Anfragen und Beschwerden. Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Anfragen verdreifacht. Es hat sicherlich auch mit Corona oder dem Interesse an meinem Amt zu tun.

Ein weiteres wichtiges Thema sehe ich in der Bewusstseinsbildung. Noch immer werden Menschen mit Behinderung auf das reduziert, was sie nicht können: nicht hören, nicht sehen oder nicht laufen. Sie werden als Hilfeempfänger*in angesehen und nicht als selbständige Menschen mit Fähigkeiten, Wünschen und Bedürfnissen, wie sie alle Menschen haben. Es gibt ein schönes Logo eines Gehörlosen-Sportvereins, auf dem steht: wir können alles, außer hören! Wenn ich mich als Beispiel nehme: ich war auf einer Förderschule, habe dennoch studiert, in verschiedenen Firmen gearbeitet, Unternehmen gegründet, geheiratet und bin Vater dreier toller Kinder. Ich finde, das sagt alles.

Ich bin jetzt etwas mehr als 100 Tage im Amt und sehe, ich muss noch viel kennenlernen. Unser Spektrum ist sehr breit gefasst und es dauert einige Zeit, das alles auch inhaltlich zu erfassen und zu verstehen. Im nächsten Schritt wäre dann auch zu überlegen, welche Schwerpunkte ich in meiner Amtszeit setzen möchte und für welche strategische Ausrichtung ich mich entscheide. In diesem Prozess bin ich mitten drin.
 

Bedeutet Inklusion, dass sich vorrangig die Mehrheitsgesellschaft öffnen und Möglichkeiten schaffen soll, oder was können oder sollten Betroffene tun, um Inklusion voranzutreiben?

Inklusion ist keine Einbahnstraße. Das Thema geht uns alle an: Es ist ein Prozess, in dem alle Personen unserer Gesellschaft beteiligt sind. Es gibt bereits eine ganze Menge an Gesetzen, Verordnungen und Vorkehrungen, die gezielt bei der Mehrheitsgesellschaft vorzufinden sind. Im Prinzip wissen viele, was zu tun wäre, um barrierefrei zu sein. Vieles wird aber oft nicht beachtet oder übersehen, oft auch unbeabsichtigt. Es bedeutet, das Thema Inklusion ist bei vielen Menschen noch immer nicht präsent und selbstverständlich, so dass quasi aus Unkenntnis heraus die meisten Barrieren in den Köpfen der Menschen sind.

Man erkennt das auch an den Bildern, die uns die Medien vorgaukeln. Denn dort kommen Menschen mit Behinderungen kaum vor und wenn doch, dann zumeist in einer sensationsgeschwängerten Atmosphäre, die Mitleid und Fürsorge weckt, aber eben nicht Selbstbestimmung nach vorne stellt. Ich denke, es ist einleuchtend, wenn Menschen mit Behinderungen irgendwann resignieren, wenn sie immer gegen solche Bilder ankämpfen und ihre Rechte einfordern müssen.
 

Menschen mit Behinderungen sind natürlich nicht alle gleich, auch ihre Bedürfnisse nicht. Wie wollen Sie trotzdem allen gerecht werden?

Nicht nur alle Menschen mit Behinderungen sind nicht gleich, es gilt für alle Menschen. Wir sind alle unterschiedlich, jeder von uns ist ein Unikat und das ist gut so! Insofern kann die Frage für alle Menschen gestellt werden.

Grundsätzlich denke ich, dass wir alle gut daran tun, inne zu halten, in uns hinein zu horchen und die Frage zu stellen, was will ich für mich. Diese Frage wäre dann auch für andere Menschen angedacht, um Empathie und Mitgefühl für andere Menschen zu entwickeln und zu versuchen, sich in den Anderen gegenüber hineinzuversetzen, zu überlegen, was für Bedürfnisse hat er. Das tun leider viel zu wenig Menschen. 

Unsere Welt wäre eine bessere, wenn wir aus diesem Impuls heraus verstehen würden, wie unterschiedlich wir alle sind und darüber hinaus dann bemerken, wie schön und herausfordernd diese Unterschiedlichkeit sein kann. In dem Moment, in dem ich die Vielfalt respektiere und achte, fällt es mir auch leichter, damit umgehen zu können. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir nicht gerecht werden, wenn wir alle gleich behandeln, sondern wenn wir die Bedürfnisse der anderen Mitmenschen erkennen und versuchen, diesen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das ist leicht gesagt und eine der ultimativen Herausforderungen in unserem menschlichen Leben.
 

Sie selbst haben ein stark eingeschränktes Hörvermögen. Wann haben Sie persönlich zuletzt erfahren müssen, dass Sie nicht gleichgestellt sind mit anderen Hamburger*innen?

Das ist eine tagtägliche Erfahrung und sie gehört zu mir als Mensch. Ich kenne das gar nicht anders, dass ich täglich mit Einschränkungen konfrontiert werde: Es fängt an damit, dass ich nicht telefonieren kann, das geht in der täglichen Kommunikation bei meinen Kollegen weiter, die ich nicht immer sofort verstehe. Gerade zur jetzigen Zeit, in der wir alle Masken tragen müssen, ist die Kommunikation für mich nahezu komplett eingeschränkt, da die meisten Menschen ja keine Gebärdensprache können.
 

Inwiefern ist es hilfreich oder hinderlich für Ihre Tätigkeit als Senatskoordinator, dass Sie selbst Betroffener sind?

Ob etwas hilfreich oder hinderlich ist, kommt sicherlich auch auf den Blickwinkel an. Wenn man über die Ränder von Hamburg schaut und sieht, dass in anderen Bundesländer überall betroffene Personen im Amt des Behinderten-Beauftragten sind, dann ist auch für Hamburg nun die Zeit für eine betroffene Person reif, die das Amt ausführt.

Mir ist natürlich klar, dass Betroffenheit alleine nicht ausreicht, um dieses Amt auszuführen. Durch das aufwendige Bewerbungsverfahren seitens des Senats denke ich, dass hier auch besonderen Wert auf die Qualifikation gelegt wurde und ich Vieles mitbringe, was dem Amt gut tut. Meine persönliche Betroffenheit selbst führt nun dazu, dass ich die Behinderung nicht einfach ablegen kann und tagtäglich daran erinnert werde. Ich bin daher selbst immer auch als Betroffener aktiv und kenne vorhandene Hürden oftmals aus eigener Erfahrung. Das hilft ungemein. In beide Richtungen.

Eine ganz andere Herausforderung, die gerade nun das Amt mit sich bringt: Man muss über den berühmten Tellerrand schauen, seine eigene Befindlichkeit zurückstellen. Ich persönlich habe ganz andere Herausforderungen als beispielsweise Menschen, die blind sind oder im Rollstuhl sitzen oder Leichte Sprache nutzen. Sich hier hineinzuversetzen, das zu verstehen und nachvollziehen zu können, das ist die besondere Aufgabe als Senatskoordinator.  
 

Sollten Betroffene erlebte Barrieren immer sofort ansprechen, auch wenn wahrscheinlich akut nicht abgeholfen werden kann und der Moment peinlich werden könnte?

Peinlich für wen? Für den Menschen mit Behinderung oder für den Verursacher von Barrieren oder für das Umfeld, was gerade in die Situation mit einbezogen wird? Es gibt hier also viele verschiedene Blickwinkel. Ich denke, für niemanden ist die Situation angenehm.

Oft spielt auch der Ton mit, der bekanntlich die Musik macht: Natürlich kann ich viele Menschen mit Behinderungen allzu gut verstehen, wenn sie genervt oder gereizt sind und sich immer wieder wiederholen müssen, weil sie gegen Barrieren laufen. Es ist auch unschön, wenn sich diese Barrieren ständig wiederholen. Es zerrt schon an den eigenen Kräften. Viele dieser Situationen kenne ich ja persönlich nur zu gut und auch mir fällt es mitunter nicht leicht, immer sachlich und beherrscht zu bleiben. In solchen Situationen versuche ich mir einzureden, dass die anderen Personen das nicht mit Absicht und mehr aus Unbedachtheit tun.

Allerdings erlebe ich zuweilen auch Reaktionen, die mich sehr ärgern können. Zum Beispiel wenn Menschen, die sich diskriminierend verhalten oder Barrieren aufbauen, ihr Tun nicht erkennen oder einsehen wollen und dann sogar unwirsch oder frech werden. Diese Reaktion ist gar nicht so selten und eine typische Abwehrhaltung, die aus Unsicherheit entsteht. Das Wissen darüber und auch das Erkennen solcher Situationen sind allgemein schon sehr hilfreich. Aber es gehört eben auch viel Übung und Erfahrung dazu, um die Gemüter wieder abzuregen. Diese Aufgabe kann und darf nicht alleine beim Menschen mit Behinderung liegen.  
 

Welche Berührungspunkte für Ihre Arbeit sehen Sie mit KISS Hamburg und Selbsthilfe?

Ich halte die Selbsthilfe für einen sehr wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft. Menschen, die sich zusammen tun, weil sie ein gemeinsames Thema verbindet, übernehmen für sich selbst Verantwortung, unterstützen sich gegenseitig und suchen gemeinsam nach Lösungen. Sie helfen sich sozusagen selbst - wie das Wort schon deutlich macht und haben gemeinsam ein viel stärkeres Gewicht. Als gehörloser Mensch bin ich von Klein an in Vereinen und Verbänden einbezogen gewesen. Die starken Strukturen sind mir daher aus eigener Erfahrung bekannt und für mich wichtig und selbstverständlich. Da ich noch recht kurz im Amt bin, weiß ich im Augenblick nur aus Erzählungen meiner Vorgängerin, dass sich immer wieder bestimmte Gruppen an die Senatskoordinatorin gewandt und um Hilfe gebeten haben. Das war vor allem dann der Fall, wenn bestimmte Themen, wie beispielsweise Leistungen von Krankenkassen oder andere Fragen, die politisch bewegt werden mussten. Dafür stehe ich selbstverständlich in meiner Amtszeit auch zur Verfügung.

An dieser Stelle sehe ich auch Berührungspunkte mit der Arbeit von KISS in Hamburg. KISS hat einen sehr großen Anteil daran, dass wir in Hamburg eine große Bedeutung von Selbsthilfe-Gruppen haben, die auch für die Behinderten-Arbeit sehr förderlich ist. Ich kann mir daher sehr gut vorstellen, dass wir zukünftig noch mehr wichtige Themen gemeinsam voran bringen.
 

Menschen mit Behinderung haben nicht die stärkste Lobby, werden aber z.B. unterstützt von Einrichtungen und Trägern der freien Wohlfahrtspflege und dem PARITÄTISCHEN Hamburg. Was läuft da aus Ihrer Sicht gut, was könnte noch besser laufen?

In meiner jetzigen Tätigkeit hatte ich noch nicht die Gelegenheit, mich mit dem Paritätischen Landesverband Hamburg auszutauschen. Ich sehe mit den zahlreichen Trägern und Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege ein enormes Potential, dass sicherlich noch mehr genutzt werden könnte, um die Rechte und Möglichkeiten der Menschen mit Behinderung zu stärken und durchzusetzen. Ich freue mich daher auf eine gemeinsame Zusammenarbeit.
 

Wie lange dauert Ihre Amtszeit und welche Ziele wollen Sie an deren Ende erreicht haben?

Mit Datum vom 19. August 2020 bin ich von der Bürgerschaft für diese Legislaturperiode gewählt worden und in der Regel dauert diese fünf Jahre. 

Es gibt viele Ansatzpunkte, da wir bislang viel zu wenig selbstverständliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft haben. Das sehe ich an den tagtäglichen Anfragen an mein Büro. Wir sind also noch mitten auf dem Weg zur Inklusion. Ein wichtiger Bestandteil dafür ist die Barrierefreiheit, denn ohne Zugänglichkeit – sei es zu Örtlichkeiten oder zu Informationen – gibt es keine Teilhabe. Wir haben seit dem vergangenen Jahr das hamburgweite Kompetenzzentrum für Barrierefreiheit, welches wir in vielen Bereichen und Überlegungen intensiver einbeziehen müssen.

Ein weiterer Aspekt ist das Bild, welches die Gesellschaft von Menschen mit Behinderungen hat. Hier habe ich bereits die Medien erwähnt, die sehr in Stereotypen und Klischees denken und damit unserer Gesellschaft ein bestimmtes Bild behinderter Menschen vermitteln. Ich sehe hier noch einen großen Bedarf an Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung, was die Situation von Menschen mit Behinderungen angeht.

In diesem Zusammenhang sage ich auch gerne: An dem Umgang mit den schwächsten Mitgliedern einer Gesellschaft erkennt man die Stärke oder Reife einer Gesellschaft. Daran müssen sich alle messen lassen, wenn sie sich selbst als verantwortungsbewussten Teil einer Gesellschaft sehen und wahrnehmen. Denn letztlich geht Inklusion uns alle an, nicht nur bestimmte Personen-Gruppen. Zu vermitteln, dass jeder Mensch dazu gehört, dass jeder Mensch die gesellschaftliche Aufgabe hat, inklusiv zu denken und zu handeln, das sehe ich als meine Aufgabe und wohl auch als eine Art Mission. 


Die Fragen stellte Katja Gwosdz, Öffentlichkeitsarbeit bei KISS Hamburg

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