Künstliche Intelligenz in Medizin und Ehrenamt

Rückblick "Forum Digitale Kompetenz in der Selbsthilfe", 01.11.2023

Spätestens mit dem Start von ChatGPT ist Künstliche Intelligenz in aller Munde. Mit zwei spannenden Impulsvorträgen zu den Themen KI in Diagnose und Therapie sowie der ehrenamtlichen Arbeit hat das „Forum Digitale Kompetenz in der Selbsthilfe“ die aktuellen Entwicklungen aufgegriffen und mit Expert*innen aus der Selbsthilfe und angrenzenden Praxisfeldern diskutiert.

„Die beste Medizin entsteht im Netz“, Sebastian Vorberg (Vorberg.Law)

Sebastian Vorberg, Podcast „Innovative Medizin weiter gedacht!“, skizzierte in seinem Vortrag eine Zukunftsvision, in der der künstlichen Intelligenz an der Schnittstelle zwischen dem im Internet verfügbaren Weltwissen der Medizin, der digital verfügbaren Patienteninformation und der lokalen Arztpraxis eine tragende Rolle zukommt. Die Internetrecherche gehört selbstverständlich zu unserem Alltag. Bei gesundheitlichen Beschwerden und Symptomen wird zunächst das Internet befragt. Sebastian Vorberg zufolge enthält dieses online verfügbare Gesundheitswissen durch den Einsatz von KI schon heute eine erstaunlich hohe Qualität in der Diagnose von Krankheitsbildern. Seiner Ansicht nach sind daher nicht die Patient*innen falsch, die bereits mit ihrem online recherchierten Wissen in die Arztpraxis kommen. Vielmehr sollte die medizinische Versorgung von einem „smarten Leistungsempfänger“ ausgehen. In seiner Vision wird es zukünftig digitale Anlaufstellen z. B. in Form einer Gesundheits-Plattform geben, die individuelle Gesundheitsfragen direkt beantworten und geeignete Gesundheits- und Selbsthilfeangebote zusammenführen. „Die Medizin der Zukunft ist eine Plattform, die Medizin revolutioniert… effizient, immer und überall!“ In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Digitalisierung und der Einsatz von KI vor allem für Menschen mit Beeinträchtigungen und im Bereich der seltenen Erkrankungen viele Vorteile bringen können. Es wurden aber auch Befürchtungen geäußert, dass bestehende Stigmatisierungen, z. B. durch die falsche Einordnung von Krankheitsbildern als psychosomatisch weiter verfestigt werden.

„Allein im Laufe des letzten Monats wurden mehr als 1000 KI Tools veröffentlicht“, Ulrike Aumüller (Fachhochschule Kiel)

Ulrike Aumüller, Dozentin Fachhochschule Kiel, gab zunächst einen Überblick über die besonderen Merkmale von ChatGPT. Demnach handelt es sich um ein für die dialogische Interaktion optimiertes Sprachmodell, dass die Bedeutungszusammenhänge von Wortteilen aus großen Textmengen erlernen und zu einer detaillierten Antwort zusammenführen kann. Dies birgt auch Risiken, bspw. wenn toxische Sprache und Vorurteile von Trainingsdaten erlernt, sensible daten preisgegeben oder falsche Ergebnisse und Informationen geliefert werden. Zudem kann KI von Menschen böswillig eingesetzt werden und die hohe Rechenleistung die Umwelt belasten. Gleichzeitig bietet Künstliche Intelligenz viele Einsatzmöglichkeiten für die ehrenamtliche Arbeit. So können Texte für verschiedene Anlässe erstellt (Rundschreiben, Pressetexte, Social Media Beiträge, etc.) sowie Konzepte und Projektanträge entworfen werden. Darüber hinaus entstehen täglich neue KI-Anwendungen, z. B. zum Bilder generieren, Förderanträge bearbeiten, Spielpläne und Quiz-Fragen, Tests oder Fragebögen erstellen. Mit dem Programm DeepL Write können beispielsweise eigene Texte sprachlich verbessert werden und ChatPDF generiert eine Zusammenfassung von PDF-Dateien. Angesichts der vielen Chancen riet Ulrike Aumüller zu einem pragmatischen Umgang mit KI. Nach dem Motto der Weg ist das Ziel sollten wir ausprobieren, kreativ sein und von anderen lernen.

In diesem Sinne wird KI auch Thema in unserer Fortbildungsreihe zur digitalen Kompetenz in der Selbsthilfe sein.

Abbildung: KI generiertes Bild von Franz Bachinger auf Pixabay.

Projektauftakt

Mit einem bunten Onlineprogramm hat das Projekt im März 2023 Kick-off gefeiert. Die rund achtzig Teilnehmenden aus der Selbsthilfe und angrenzenden Praxisfeldern erhielten zunächst einen Einblick in das Projektvorhaben. Das von KISS Hamburg und der AOK Rheinland/Hamburg initiierte Projekt ist auf drei Jahre angelegt und richtet sich vorwiegend an ehrenamtlich engagierte Selbsthilfeaktive, die über einfache Kenntnisse in digitalen Anwendungen verfügen. In passenden Workshops erhalten sie die notwendige digitale Kompetenz, um ihre Selbsthilfeangebote aktuellen und zukünftigen Anforderungen anzupassen, jüngere Betroffene zu erreichen und ehrenamtlich einzubinden. Darüber hinaus werden vor allem junge Selbsthilfeaktive darin geschult, ihre Medienerfahrung und -kompetenz innerhalb der Selbsthilfe weiterzugeben. Für Digitaleinsteiger*innen werden geeignete Kooperationspartner ermittelt, die digitale Schulungen und technischen Support anbieten. Langfristiges Projektziel ist es, gemeinsam mit Selbsthilfeaktiven ein „Netzwerk für digitale Kompetenz“ in Hamburg aufzubauen.

Gesundheitskompetenz und Selbsthilfe

In seinem Impulsvortrag gab Dr. Christopher Kofahl (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) einen Einblick in die Entstehung des „Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz“ und eine Einordnung des aktuellen Forschungsstandes im Hinblick auf die gemeinschaftliche Selbsthilfe. Siehe Interview Selbsthilfezeitung Nr. 167, S. 2-3. Anschließend hatten die Teilnehmenden Gelegenheit sich in Kleingruppen darüber auszutauschen, was digitale Kompetenz für ihre Gruppe bzw. Organisation bedeutet.

Ehrenamt auf TikTok

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einer Reise durch die Mitmachkultur der Social Media Plattform TikTok. Unter dem Motto „Fresh’n’Woke“ zeigte Hannes Jähnert (d-s-e-e.de) am Praxisbeispiel der Ehrenstiftung, wie soziale Netzwerke und Onlineportale für die Förderung von ehrenamtlichen Engagement eingesetzt werden können. Fragen zum Datenschutz und dem Umgang mit sensiblen Themen sollten dabei stets mit einbezogen werden. Die Teilnehmenden erfuhren zudem, wie die Plattform aufgebaut ist, welche Formate und Inhalte gut funktionieren und wie der eigene Auftritt sinnvoll analysiert und verbessert werden kann. So können bereits mit relativ einfachen Mitteln eine große Reichweite erzielt und die eigenen Mitstreiter*innen kreativ eingebunden werden. In der anschließenden Diskussion wurde noch einmal deutlich, dass sich die digitale Transformation nicht aufhalten lässt. Gemeinsam mit Hamburger Selbsthilfeaktiven möchten wir diese Entwicklung für die Selbsthilfe nutzen und aktiv mitgestalten.

Bildquelle: Gerd Altmann auf Pixabay

Projekt Digitale Kompetenz in der Selbsthilfe

Das gemeinsam von KISS Hamburg und der AOK Rheinland/Hamburg initiierte Projekt hat zur Aufgabe, ehrenamtlich tätigen Selbsthilfeaktiven die notwendige digitale Kompetenz zu vermitteln, damit sie ihre Angebote optimal den aktuellen und zukünftigen Anforderungen anpassen, (jüngere) Betroffene erreichen und ehrenamtlich einbinden können. Darauf aufbauend wird ein Expert*innen-Netzwerk zur Stärkung der digitalen Kompetenz von und für die gemeinschaftliche Selbsthilfe in Hamburg entstehen. 

Projektbegleitend bietet das Forum „Digitale Kompetenz in der Selbsthilfe“ Gelegenheit, sich einmal jährlich mit Expert*innen aus der Selbsthilfe und angrenzenden Praxisfeldern über aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse auszutauschen. 

Das Projekt hat zudem Selbsthilfeaktive im Blick, die keine oder sehr geringe Kenntnisse im Umgang mit digitalen Anwendungen besitzen. Hierfür werden geeignete Kooperationspartner*innen ermittelt, die digitale Schulungen und technischen Support anbieten.
 

Projektbausteine

•    Forum „Digitale Kompetenz in der Selbsthilfe“
•    Workshop-Reihe für ehrenamtlich tätige Selbsthilfeaktive
•    Selbsthilfe-Netzwerk „Digitale Kompetenz stärken!“
•    Kooperationen für Schulung und technischen Support
 

Hintergrund

Die gemeinschaftliche Selbsthilfe konkurriert mit einer Flut an digital zugänglichen (gesundheitlichen) Informationen und Angeboten. Digitale Medien, soziale Netzwerke und Onlineportale sind die Orte, an denen sich informiert und ausgetauscht wird. 

Während Selbsthilfegruppen und -organisationen vor der Herausforderung stehen, die Aufmerksamkeit insbesondere von jüngeren Betroffenen gegenüber der Vielzahl an Onlineangeboten zu gewinnen, verringert sich in der Gesamtbevölkerung die Gesundheitskompetenz, d. h. die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und für gesundheitsbezogene Entscheidungen anzuwenden (vgl. Gesundheitskompetenz, Robert Koch Institut). Dies trifft umso mehr auf digital verfügbare Gesundheitsinformationen und -anwendungen zu (vgl. Digitale Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland). 

Das auf drei Jahre angelegte Projekt setzt genau hier an und entwickelt gemeinsam mit ehrenamtlich tätigen Selbsthilfeaktiven ein Programm zur Stärkung der digitalen (Gesundheits-)Kompetenz.

Möchten Sie Ihre digitalen Kompetenzen in der Selbsthilfe einbringen oder stärken? Dann freuen wir uns auf Ihre Teilnahme!

Kontakt

Heß, Anke
Projektleitung „Digitale Kompetenz in der Selbsthilfe“
KISS Hamburg, Schloßstraße 12 (Eingang Claudiusstraße), 22041 Hamburg
Mobil: 0176 859 399 76
E-Mail: selbsthilfeprojekt@paritaet-hamburg.de

Wir beraten Sie gerne

Montag - Donnerstag, 11 - 17 Uhr
Selbsthilfe-Telefon 040 / 39 57 67

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