Gesundheitskompetenz hat sich verschlechtert

Die Universität Bielefeld hat 2014 und 2020 die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung untersucht und außerdem noch 2020 die Situation während der Pandemie näher beleuchtet: „Unter Gesundheitskompetenz wird das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit verstanden, gesundheitsrelevante Informationen finden, verstehen, beurteilen und anwenden zu können, um die eigene Gesundheit zu erhalten, sich bei Krankheiten die nötige Unterstützung zu sichern und die dazu nötigen Entscheidungen zu treffen“, so die zugrunde gelegte Definition (S. 3). Diese Fähigkeit hat im Vergleich zwischen 2014 und 2020 abgenommen. Schon im ersten Bericht wurde 54 % nur eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz attestiert, d.h. die Menschen hatten erhebliche Schwierigkeiten, gesundheitsrelevante Informationen zu verarbeiten. 2020 ist dies auf 64 % der Bevölkerung angestiegen. Je nach Alter, Bildungsstand und sozialem Status fällt dies jeweils leichter bzw. schwerer und gerade die „richtige“ Einschätzung von gesundheitsrelevanten Infos in den (virtuellen) Medien bereitet vielfach Schwierigkeiten, wobei nach Haus- und Facharzt*innen das Internet – gerade für chronisch Kranke – an Bedeutung gewinnt (S. 13). Doch grundsätzlich ist die „Erlebte Orientierungslosigkeit im Gesundheitssystem“ sowohl bei den Menschen mit einer hohen, wie einer geringen Gesundheitskompetenz angestiegen: „Auch die vier Schritte der Informationsverarbeitung – das Finden, das Verstehen, die Beurteilung und die Verwendung von gesundheitsrelevanten Informationen – stellen die Befragten 2020 vor mehr Schwierigkeiten als 2014.“ (S. 19).

Dementsprechend kann es nicht überraschen, dass der Ergebnisbericht darauf hinweist, „dass wir es im Falle der Gesundheitskompetenz mit einem schwer zu handhabenden gesundheitspolitischen Problem zu tun haben, das in engem Zusammenhang zu Fragen gesundheitlicher Ungleichheit steht. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an künftige zielgruppenspezifische Interventionskonzepte, die den lebensweltlichen Bedingungen der „vulnerablen“ Bevölkerungsgruppen entsprechen und darauf zielen, bestehende Wissens- und Kompetenzdefizite auszugleichen und zugleich zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit des Gesundheitssystems beitragen.“ (S. 19).
Interessanterweise ist es laut dem Abschlussbericht für 2020 in der Pandemie dagegen zu einem Anstieg in der Gesundheitskompetenz gekommen: „Das dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sich die Bevölkerung seit Beginn der Pandemie sehr viel mehr und intensiver mit gesundheitsrelevanter Information auseinandersetzen musste und die Sensibilität für Gesundheitsthemen und -information dadurch gestiegen ist.“ (S. 22).

Doch auch für 2020 fällt das Fazit ähnlich wie schon 2014 aus: „Gesundheitskompetenz ist sozial ungleich verteilt: Besonders Menschen mit niedrigem Bildungsgrad, niedrigem Sozialstatus, mit Migrationserfahrung, im höheren Lebensalter und mit chronischer Erkrankung oder langandauernden Gesundheitsproblemen weisen eine durchschnittlich geringere Gesundheitskompetenz auf. Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung vulnerabler Gruppen.“ (S. 3). Inhaltlich wünschen sich die Wissenschaftler*innen mehr Forschung zum Thema, eine Verbesserung der digitalen Gesundheitskompetenz, mehr navigations- und nutzerfreundliche Gestaltungen von Gesundheitsinformationen und Websites sowie eine deutliche Verbesserung der Gestaltung der dargelegten Informationen (S. 104).
Nur so kann eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz von allen Menschen vorangebracht werden.

Frank Omland
Öffentlichkeitsarbeit

 

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