Gesundheitsberichte, Studien, IGeL Monitor

Es ist praktisch nicht möglich, angesichts der schieren Anzahl der regelhaften Veröffentlichungen zum Thema Gesundheit, diese immer im Blick zu behalten. Wir berichten deshalb in Abständen von denen, die uns erreicht haben bzw. auf die wir aufmerksam geworden sind. So veröffentlicht der VDEK, der Verband der Ersatzkassen, regelmäßig jedes Jahr seine so genannten Basisdaten. Hier trägt er die aus seiner Sicht wichtigsten Daten auf Bundesebene zusammen und stellt diese kurz, knapp sowie mit Grafiken versehen dar. Dabei gibt es jedes Jahr unterschiedliche Schwerpunksetzungen. Wer also wissen will, wie viele Menschen privat oder gesetzlich krankenversichert sind, wie hoch der Anteil der Verwaltungskosten ist, wie sich der Risikostrukturausgleich zusammensetzt, wie es mit den Krankenhäusern und deren Finanzierung aussieht, was an Mitteln in der Pflegeversicherung eingesetzt wird, welchen Anteil welche Ausgaben (u.a. für Medikamente, Heil- und Hilfsmittel) haben bzw. grundsätzlich wofür im Gesundheitswesen wie viel Geld ausgegeben wird, sollte sich den aktuellen Kurzbericht unbedingt anschauen.

 

Das Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung hat u.a. in Kooperation mit der Technikerkrankenkasse eine Studie herausgegeben, die sich mit Fragen der Auswirkung des hybriden Arbeiten beschäftigt. Angesichts der Digitalisierung im Zuge der Pandemie ein Thema, das insbesondere alle stark betrifft, die Büroarbeitsplätze mit nicht ausgestatteten Home Office Arbeitsplätzen getauscht haben: "#whatsnext – Gesund arbeiten in der hybriden Arbeitswelt" heißt die Zusammenfassung der Studie und geht auf 44 Seiten der Frage nach welche Antworten das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) bzw. die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) auf die neue hybride Arbeitswelt bereit halten sollte. Dazu wurden knapp 1.100 Unternehmen, darunter 9 % aus dem Gesundheits- und Sozialwesen befragt. 27 % von ihnen haben tatsächlich schon ein BGM zu diesem Thema auf die Beine gestellt, 8 % hingegen noch überhaupt keine Maßnahmen umgesetzt. Dazu passt, dass die Budgets dafür knapp bemessen sind, wenn es sie denn überhaupt schon gibt. Und obwohl die Betriebe die psychische Gesundheit für ein sehr wichtiges Thema halten, gibt es gleichzeitig nur in etwas mehr als der Hälfte von ihnen tatsächlich BGM Richtlinien zu einer der zentralen Themen, so dass es in der Studie heißt: „Den Organisationen, die bislang im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen noch nicht tätig geworden sind, sollte der langfristige Nutzen einer psychischen Gefährdungsbeurteilung stärker aufgezeigt werden.“ (S. 7). Über ein Drittel aller Betriebe bieten für die Hälfte und mehr ihrer Beschäftigten Homeoffice an. (S. 12). Angesichts der Zunahme von Telearbeit/Homeoffice sollten zukünftig vermehrt digitale Angebote die bisherigen aus dem Gesundheitsmanagement ergänzen. Derzeit gibt es ein großes Spektrum an Angeboten zum Erhalt der Gesundheit (S. 17), wobei hier die klassischen – und damit faktisch zumeist durch den Gesetzgeber vorgegebenen Maßnahmen – im Ranking am häufigsten genannt werden: „Arbeitssicherheit (77.9 %), Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) (75.5 %) sowie Betriebliches Versorgungmanagement (71.7 %).“ Es folgen Ergonomie (56.6 %) sowie Sport und Bewegung (56.5 %). „Weichere“ Angebote zu Resilenz bzw. zu psychosozialen Entlastung spielen eine sehr untergeordnete Rolle.

Im Ranking der wichtigsten zukünftigen Themen steht für die Unternehmen an erster Stelle das BGM bzw. die Betriebliche Gesundheitsförderung, es folgt „New Work“ (= Zukunft der Arbeitswelt), Burn-Out/Überforderung/Depression, Work-Life-Integration sowie die schon genannte psychische Gefährdungsbeurteilung (S. 19). Und wenig überraschend geben die befragten Unternehmen auf die Frage nach einem erwarteten Bedeutungszuwachs in den nächsten drei Jahren „Künstliche Intelligenz“, „Klima und Nachhaltigkeit“ sowie „Umgang mit Big Data“ an (S. 21). Auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben stehen „Maßnahmen für Flexibilisierung von Arbeitszeit & Ort“, „Maßnahmen für Eltern“ sowie „Maßnahmen für Pflegende Beschäftigte“ ganz oben auf der Liste (S. 28).

Die Zukunft der Arbeitswelt und ihre Auswirkung auf die Gesundheit der Beschäftigten wird Krankenkassen und Betriebe noch weiter beschäftigen. Die Frage ist nur, ob sich die gesundheitliche Situation der Lohnabhängigen zum besseren entwickeln wird.

 

Der Medizinische Dienst Bund gibt in regelmäßigen Abständen Befragungen in Auftrag, um herauszufinden, welche Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), also Selbstzahlerleistungen, die Krankenversicherten in Anspruch nehmen. Im Januar 2023 wurden dafür 5.850 Menschen im Alter von 20 bis 69 Jahren befragt, wobei „nur“ ärztliche, aber keine zahnärzlichen IGeL erfasst wurden.

Grundsätzlich ist den Versicherten bekannt, dass es solche Leistungen gibt, wobei 2/3 diese zwar kritisch sehen, aber gleichzeitig 1/3 bis über die Hälfte diese für wichtig erachten. Dabei wächst die Erwartung, dass IGeL zum Erhalt der Gesundheit beitragen je jünger die Befragten sind. Den meisten Versicherten (72 %) ist gleichzeitig unbekannt, dass es verbindliche Regeln gibt, wie die Praxen IGeL anbieten und erklären müssen. Zudem beschrieb eine Minderheit (20 %), dass sie bei der Entscheidung für oder gegen die IGeL unter Zeitdruck gesetzt wurden und fast ebenso viele (18 %), dass die Behandlung mit einer Kassenleistung von einer IGeL abhängig gemacht wurde! (Vermutlich gehören diese Versicherten auch zu dem Viertel, dass mit dem Besuch der Praxis nicht voll und ganz zufrieden war).

Die Ausgaben der Versicherten für IGeL schwanken von 15 bis 249 Euro, wobei fast jeder Zehnte auch deutlich mehr Geld dafür ausgibt. Deshalb überrascht es nicht, das IGeL nicht nur von den Praxen angeboten, sondern vermehrt auch aktiv von Versicherten nachgefragt werden. Ähnlich wie in den Vorjahren sind es Leistungen der Krebsfrüherkennung, Glaukomfrüherkennung und PSA-Wert-Bestimmungen, die das Ranking der IGeL anführen.

Der IGeL Monitor 2023 sowie alle vorherigen Befragungsergebnisse stehen allen Interessierten online zum Download zur Verfügung.

Frank Omland
Öffentlichkeitsarbeit

 

P.S.

Hier findet sich ein anderer Beitrag von uns, der sich mit Gesundheitsberichten aus dem Jahr 2021 befasst:

https://www.kiss-hh.de/aktuelles-beitrag/gesundheitsberichte-der-krankenkassen-2021

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