Um es vorweg zu nehmen: die öffentliche und fachöffentliche Wahrnehmung der AG Männergesundheit (AGM) dürfte überschaubar gewesen sein, und so wird die Meldung vom Ende der AGM für viele Männer das erste Mal sein, dass sie überhaupt von der Existenz dieser kleinen Arbeitsgruppe hören. Ironischerweise kam der Anstoß zur Gründung von Astrid Estorff-Klee, damalige Leiterin von KISS Hamburg, die im September 2002 das neue männliche Teammitglied bei der KISS Altona beauftragte, sich einmal um das Thema zu kümmern und mit der Gesundheitsbehörde (BGV) Kontakt aufzunehmen. Es folgte ein erstes Treffen im Juni 2003, zu dem Matthias Weikert (BGV) einlud, und dessen erstes Protokoll so überschrieben wurde: „MännerGesundheit in Hamburg: Entwicklung von möglichen Handlungsperspektiven für Hamburg. Komplex denken und einfach handeln“.
Eine kleine Gruppe von Männer aus den Bereichen Männergesundheit, Aidsseelsorge, Therapie, Männerarbeit und nicht zuletzt Selbsthilfeunterstützung verabredete dann einen projektorientierten Ansatz mit dem Ziel, das Thema in der (Fach-)Öffentlichkeit voranzubringen. Von 2004 bis 2007 organisierte die AGM Männergesundheitstage bzw. -wochen, wobei insbesondere mit zwei auch kulturell ausgerichteten Veranstaltungen neue Zielgruppen erreicht werden sollten. Die Idee, mit einem Improvisationstheater Fragen zur Männergesundheit aufzuwerfen, kam sehr gut an und machte Mut für weitere Aktionen.
Mit dem Ausscheiden der BGV aus der AGM nach 2007 stellte sich die fachliche Frage nach den nächsten Schwerpunkten der Arbeit. In einem längeren Prozess der Reflexion, der auch die zum Teil leicht frustrierenden Erfahrungen bei unterschiedlichen Veranstaltungsformaten einbezog, entschied sich die AGM, keinen reinen Fachaustausch betreiben zu wollen, sondern sich weiterhin projektorientiert auf öffentlich wahrnehmbare Aktivitäten auszurichten. Ab 2010 wurde eine Website „Männer und Trauma“ erarbeitet, die 2014 erfolgreich präsentiert werden konnte (www.maenner-und-trauma.de). Der Erfolg lässt sich auch daran messen, dass die Website bis heute in den Suchmaschinen praktisch zuerst gefunden wird, wenn es um dieses belastende Thema geht. Parallel zu diesem arbeitsintensiven Prozess führte insbesondere die Selbsthilfeunterstützung von KISS Hamburg immer wieder Veranstaltungen zur Männergesundheit durch, an denen die AG und ihre Mitglieder beteiligt wurden.
Zudem startete ab 2014 der neuerliche Versuch seitens KISS, die BGV für das Thema zu begeistern, so dass kurzzeitig einige Akteure aus dem Gesundheitswesen und der universitären Forschung sowie Mitglieder der AG Männergesundheit zu einem weiteren Arbeitskreis zusammen kamen. Bedauerlicherweise versandten diese Aktivitäten wieder, doch zumindest auf der Ebene der individuellen Zusammenarbeit und für bestimmte Veranstaltungsformate erwies sich die kleine AG in der BGV als hilfreich, sei es bei den Altonaer Gesundheitsgesprächen oder auch wegen der Durchführung und Auswertung einer bundesweiten Internetumfrage zur Männergesundheit.
2017 erfolgte die dann letzte öffentliche und etwas ungewöhnlichere Aktivität der AG Männergesundheit, diesmal auf einem Wochenmarkt im Bezirk Eimsbüttel. Neben einem Infostand, auf dem ein Mitmach-Quiz Männergesundheitsfragen witzig präsentierte, und einer kleinen Ausstellung mit Infografiken, animierte ein Filmteam Männer beim Wochenmarktbesuch dazu, Fragen zur Gesundheit und Prävention zu beantworten. Neben klassischen Reaktionen wie Desinteresse, gehetztem Ablehnen oder auch Gelächter fanden sich eine Reihe von Männern bereit ihre Positionen darzustellen. Der knapp 5-minütige Kurzfilm „Nur ein Klischee? Männer sind Gesundheitsmuffel!“ stellt zusammen mit den im Internet präsentierten Materialien aus der jahrelangen Arbeit der AG Männergesundheit eines der Highlights des Engagements dar (vgl. die Downloads auf: www.maenner-und-trauma.de/ueber_uns.html). Der Film selbst kann aber nur im Rahmen von Männergesundheitsveranstaltungen gezeigt werden, so die Absprache mit den Interviewten.
Mit dem Ausscheiden zweier langjähriger Mitstreiter von KISS und der Aidsseelsorge aus der AG Männergesundheit 2017/2018 stellte sich für den verkleinerten Kreis die Frage nach dem „Wie weiter?“ und ist dann im Juni dieses Jahres im Sinne von „Jedem Ende wohnt ein Anfang inne“ beantwortet worden: die AG Männergesundheit beendete ihre gemeinsame Arbeit und die Idee zur Gründung eines Netzwerks Männerarbeit steht im Raum. Von meiner Seite aus wünsche ich dazu alles Gute und freue mich schon darauf, darüber zu berichten.
Frank Omland, Öffentlichkeitsarbeit
(Gründungsmitglied der AG Männergesundheit und bis 2017 aktiver Teilnehmer)