Pilotstudie zur professionellen Gesundheitskompetenz

Die Stiftung Gesundheitswissen hat eine neue Studie veröffentlicht, die sich mit der Gesundheitskompetenz der Profis beschäftigt. Die Mitte Juni veröffentlichte Studie knüpft an die Fragestellungen an, die wir in der aktuellen Selbsthilfezeitung beleuchtet haben (vgl. SHZ 167). In einer Online-Umfrage wurden 300 Ärztinnen und Ärzte sowie 600 Pflegekräfte befragt. Ziel war es zu ermitteln, wie es mit dem Informations- und Wissensmanagement, der Informations- und Wissensvermittlung, der patientenzentrierten Kommunikation und der digitalen Gesundheitskompetenz der Profis aussieht. Dabei ging es um die Selbsteinschätzung der Befragten, die auf einer Skala von 0-100 ihre Fähigkeiten und ihr Wissen bewerten sollten; je höher die Punktzahl ausfiel, desto positiver wurde der Wert eingeschätzt.
Abgesehen davon, dass ein Viertel der Befragten nicht einmal die Hälfte der Punktzahl erreichen konnte, schwanken die Werte je nach Themenbereich sehr. Am schwierigsten fiel es den Befragten, statistische Daten oder auch die wissenschaftliche Evidenz einzuschätzen. Hier waren ein Sechstel bis ein Viertel eher skeptisch über ihre eigenen Fähigkeiten. Die Vermittlung des eigenen Wissens fällt dagegen den meisten leicht, doch gibt es eine größere Hürde: „Besonders ‚mit fehl- oder falschinformierten Patientinnen/Patienten zurechtzukommen‘, wird von beiden Gesundheitsprofessionen/-berufen als schwierig beurteilt. 44,5 % der Ärztinnen/Ärzte und 37 % der Pflegefachpersonen schätzen dies als eher/sehr schwierig ein. … Auch einzuschätzen, inwieweit ‚kulturelle Unterschiede das Verständnis erschweren‘ fällt 39,7 % der Ärztinnen/Ärzte und 30,8 % der Pflegefachpersonen eher/sehr schwer.“ (S. 5). Ebenfalls als schwierig empfinden es knapp ein Fünftel bis ein Viertel der Profis, ob Patient*innen wirklich die Information richtig verstanden haben. Umso wichtiger wäre es, wenn vorhandene Tools und Methoden unter den Profis bekannter wären, mit denen die Kommunikation in der Praxis schon heute deutlich verbessert werden kann. Die Abfrage zum Wissen über und zur Anwendung dieser Methoden ergab, dass diese vielfach nicht bekannt oder weniger angewendet werden als es möglich wäre. (Noch interessanter wäre es umgekehrt, ob Patient*innen überhaupt schon bewusst Situationen erlebt haben, wo diese Methoden angewandt wurden). Bezeichnenderweise empfinden aber die meisten Profis die patientenorientierte Kommunikation als leicht, obwohl die Ärztinnen und Ärzte in ihrer Ausbildung sehr große Lücken bei diesem Thema konstatieren (S. 6). Gleichzeitig heißt es in der Studie: „Beiden Berufsgruppen fällt es in diesem Aufgabenbereich am schwersten, ‚gemeinsam mit Patientinnen/Patienten Ziele festzulegen und das weitere Vorgehen zu entscheiden‘: 11,3 % der Ärztinnen/Ärzte und 12,5 % der Pflegefachpersonen halten dies für eher/sehr schwierig. Auch „Patientinnen/Patienten Raum zu geben, um Fragen zu stellen“ finden 9,7 % der Ärztinnen/Ärzte und 14,3 % der Pflegefachpersonen eher/sehr schwierig.“ (S. 5). Wenig überraschend ist, dass die digitale Gesundheitskompetenz bei denen am höchsten ausfällt, die jünger sind und noch nicht so lange im Gesundheitswesen tätig sind.

Die Selbsteinschätzung zur eigenen Gesundheitskompetenz ist bei den Profis hoch und gleichzeitig zeigt sich im Detail, dass einige Dinge, sei es in der Ausbildung oder auch in der Realität im Gesundheitswesen, deutlich verbesserungswürdig sind. Vor dem Hintergrund einer auf Profitmaximierung getrimmten Gesundheitswirtschaft ist das nicht verwunderlich.
Die Studie kann wie immer auf der Website der Stiftung Gesundheitswesen heruntergeladen werden

Frank Omland, Öffentlichkeitsarbeit

 

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