Gesund leben – Gesundheitskompetenz in Hamburg, eine neue Website

Auf Anregung der Gesundheitsbehörde hat die sektorenübergreifenden Landeskonferenz Versorgung sich das Jahresthema „Förderung der Gesundheitskompetenz“ gesetzt und erste Ergebnisse der Beteiligten dazu auf einer eigenen Website präsentiert. Inhaltlich ist für jede*n etwas dabei: die wissenschaftliche Diskussion um den Begriff, Beispiele aus der Praxis, Hilfen und Hinweisen für Patient*innen und Verweise auf externe Websites.

Konkreter wird es in der Rubrik „Hamburger Wege zu besserer Gesundheit“: Hier wird zuerst ein nur scheinbar banaler Abrissblock vorgestellt, der aber den Patient*innen helfen soll, sich auf ihre Fragen an die behandelnden Ärzteschaft zu fokussieren. Es folgen zwei allgemeine Infobroschüren zur Gesundheitsversorgung bzw. zum Gang ins Krankenhaus, letztere in leichter Sprache, was derzeit noch die Ausnahme im Gesundheitswesen darstellt. Deutlich mehr an Profis richtet sich der Link zu den „Lokalen Vernetzungsstellen für die Gesundheitsförderung“, der über die Aktivitäten der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (HAG e.V.) informiert.

Ähnlich sieht es im Bereich Patientenbildung und Patientenwissen aus, wo zu den Themen Bildung, Wissen, Krankheitserfahrungen und Rechte jeweils Informationen zu finden sind. Auch hier fällt auf, wie unterschiedlich die Zugänge sind: mal sind es bundesweite Websites, auf die verwiesen wird (so zur Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder einem Pflege-Netzwerk), mal sind es hamburgspezifische Angebote, mal praktische, mal eher theoretische bzw. sich an spezielle Berufsgruppen wendende Informationen. Hier ist es in Zukunft wünschenswert, wenn deutlicher nach Bundesebene und Hamburgebene getrennt wird, gerade wenn Menschen sich verstärkt im Nahbereich an zuständige Stellen wenden wollen.

Zudem muss angemerkt werden, dass sich selbst für Profis im Sozial- und Gesundheitswesen manche Informationen aus den Links nicht immer sofort erschließen. Während die Seite der „Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ noch klar strukturiert Themen aufarbeitet, die sich auch Patient*innen gleich erschließen, ist der Verweis Gute Praxis Gesundheitsinformation, der auf die Seite von „Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V.“ führt, nicht so praxisnah für Patient*innen, wie es wünschenswert wäre. Sich hier den eigenen Nutzen zu erschließen, dürfte selbst den Profis nicht immer leicht fallen.

HInter dem Link Mehr Informationen über Patientengeschichten verbirgt sich ein mir unbekannte Portal „Patientengeschichten.online“, das sich als Enttäuschung erweist, da es sich weniger um eine Website handelt, die tatsächlich viele solche Selbstbetroffenen-Berichte enthält, sondern eher der Wunsch danach im Vordergrund steht. Das Evidenz Institut der Familie Ollenschläger sucht hier noch nach mehr Betroffenen-Berichten, die es gerne verlinken würde, als dass es diese schon sehr zahlreich präsentieren kann; zudem fehlt der große Bereich der seelischen Erkrankungen vollständig. Was noch nicht ist, kann noch werden, doch ist dies einer der wenigen Links, den ich weniger gelungen finde.

Ähnlich geht es mir mit dem Hinweis auf die Website zur Gesundheitlichen Chancengleichheit, denn diese weist neben einer gewissen Unübersichtlichkeit einen Kardinalfehler auf: einerseits finden sich Unterseiten in Englisch, Gebärdensprache und Leichte Sprache, doch lediglich die Unterseite in Englisch führt mit weiteren Links auch auf weitere englischsprachige Angebote. Weder in Gebärden- noch in Leichter Sprache erfolgt dies. Für eine Website, die von der BzGA verantwortet wird, ist da noch viel Luft nach oben; doch das gilt grundsätzlich bei diesem Thema für das gesamte Sozial- und Gesundheitswesen, denn mangels finanzieller Ressourcen können die Institutionen diesen Service praktisch nicht leisten.
Umso interessanter könnte es sein, wenn ebenfalls erwähnte  aber noch im Aufbau befindliche Seite „Gesundheit Leicht verstehen“ ans Netz geht, denn derzeit findet sich dazu lediglich der Ankündigungslink, allerdings noch nicht auf dem Portal in Hamburg, deshalb hier als Service unsererseits der Link dazu.
Von den weiterführenden Informationen sind die beiden Studien zur Gesundheitskompetenz nicht uninteressant. Jeweils einmal bundesweit und regional auf Hamburg bezogen, können Umfrageergebnisse zum Thema Gesundheitskompetenz nachgelesen werden.

Am interessantesten war für mich ein Link zum Thema Faktenboxen, d.h. Infografiken, die zu bestimmten Gesundheitsthemen den medizinischen Forschungsstand zusammenfassen. Dass es diese überhaupt gibt, ist an mir – trotz einer umfangreichen Bibliothek zu Infografiken – vorbei gegangen. In einer der nächsten Newsletter werde ich das Thema deshalb aufgreifen.

Fazit

Abgesehen davon, dass die Website www.hamburg.de grundsätzlich für die User nicht sehr zugänglich ist, möchte ich die Unterseite zum Thema Gesundheitskompetenz an dieser Stelle weiterempfehlen. Wünschenswert sind auf jeden Fall laufende Updates und Ergänzungen (etwa der Hinweis auf die Faktenblätter der BGV, seit Juni auch zur Gesundheitskompetenz) sowie eine klarere Struktur, die deutlicher als bisher die unterschiedlichen Zielgruppen adressiert. Wir dürfen gespannt sein, wie sich dieses Portal zukünftig entwickeln wird.

Frank Omland, Öffentlichkeitsarbeit

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