Frauengesundheitsbericht des RKI erschienen

Das Robert-Koch-Institut hat Anfang des Jahres im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes den 396-seitigen Bericht zur „Gesundheitlichen Lage der Frauen in Deutschland“ veröffentlicht. Er schließt an zwei andere geschlechterbezogene Berichte aus 2005 („Gesundheit von Frauen und Männer im mittleren Lebensalter“) und 2014 („Gesundheitliche Lage von Männer in Deutschland“) an und reflektiert in einer fast ausschließlich binären Sichtweise das Gesundheitsverhalten und Krankheitsgeschehen von Frauen in Abgrenzung zu den Männern und ist sich der mangelnden Datenlage „zu den gesundeitlichen Bedarfen von trans- und intergeschlechtlichen (TI) Menschen“ durchaus bewusst (S. 19 und S. 71).

Schwerpunkte des Berichts sind „Mädchengesundheit“, „Gesundheit von Frauen zwischen Erwerbs- und Familienarbeit“, „Gesundheit älterer Frauen“, „Gesundheit von Frauen mit Migrationshintergrund“, die „Sexuelle und reproduktive Gesundheit“ von Frauen, die Auswirkungen von Gewalt gegen diese, Frauen mit Behinderungen sowie ein europäischer Vergleich. Letzterer ist insofern interessant, weil er die Situation in Deutschland einzuordnen hilft. So gehören bspw. Frauen in Deutschland beim Rauschtrinken und beim Anteil der Depressionen zur Spitzengruppen in der EU (S. 360, S. 365).

In einem ersten Überblick findet sich im Bericht auch ein Abschnitt zum Thema gruppenbezogene Selbsthilfe (S. 166-169). Das RKI analysiert dazu insbesondere die Ergebnisse des Telefonischen Gesundheitssurveys aus dem Jahr 2003, wo im Rahmen der Erhebung „die Selbsthilfebeteiligung und die Informiertheit zur Selbsthilfe in der deutschen Bevölkerung“ (S. 167) ermittelt und natürlich auch Fragen zur Teilnahme an Selbsthilfegruppen gestellt worden sind. Zum anderen wird auf den Forschungsstand der SHILD-Studie (Gesundheitliche Selbsthilfe in Deutschland) zurückgegriffen, die von 2012-2017 stattgefunden hat. Der Einstieg in die Thematik ist lesenswert, doch zeigt sich wieder einmal, wie wenig hilfreich eine pauschale Aussage als Fazit aus bisherigen Studienergebnissen ist, insbesondere wenn das Wissen aus den Selbsthilfekontaktstellen nicht mit reflektiert wird. So ist es nicht falsch, wenn es heißt: „Im Vergleich zu Männern sind Frauen häufiger in einer gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppe aktiv oder geben an, sich schon einmal über Selbsthilfegruppen informiert zu haben.“ (S. 166). Doch darunter verbergen sich doch deutlich mehr geschlechterbezogene Unterschiede, die in einem Gesundheitsbericht benannt werden könnten und sollten. Abgesehen von dem umgekehrten Gender-Gap in der Suchtselbsthilfe, (der ebenfalls je nach Verband und Suchterkrankung wiederum auszudifferenzieren ist), hat die Hamburger Vorgängerstudie 2003 einen Männerüberhang in den Gruppen aus dem Bereich Psychische Störungen (darunter die seelischen Erkrankungen und die Suchterkrankungen) belegt. Die Ausdifferenzierung der Teilnahme an der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe nach Geschlechtern kommt deswegen zu kurz und ist auch der gängigen Darstellung der Akteure geschuldet. Nicht nur gefühlt, sondern auch belegbar differenziert sich der Frauenüberschuss in der gruppenbezogenen Selbsthilfe je nach Thematik bei den „Gesundheitsgruppen“ aus bzw. relativiert sich. Die Wahrnehmung, dass die Suchtselbsthilfe mehr als männlich geprägt ist und sich im Bereich der psychischen Erkrankungen durchaus eine größere Anzahl von geschlechterparitätischen Gruppen finden lassen, sollte zukünftig auch in der Gesundheitsberichterstattung Einzug halten.

Der neue Bericht des RKI zur Frauengesundheit kann auf deren Website heruntergeladen werden.

Frank Omland
Öffentlichkeitsarbeit

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