Ergebnisse zur Selbsthilfe im Freiwilligensurvey 2019

Alle fünf Jahre wird im Rahmen einer repräsentativen Umfrage das freiwillige Engagement in der Bundesrepublik Deutschland ermittelt. Dazu wurden 2019 knapp 19.500 Festnetz- und 8.300 Mobilfunkinterviews geführt (S. 46), die 25.000 Tätigkeitsfelder benannten, die danach in 14 Kategorien überführt wurden (S. 21f). Bei 4.790 Personen lag ein Migrationshintergrund vor und 608 Befragungen wurden nicht in deutscher Sprache geführt, am häufigsten in Englisch (n=229), gefolgt von Arabisch (n=154), Russisch (n=103), Türkisch (n=75) und Polnisch (n=47). Die Ergebnisse dieser knapp 28.000 Interviews flossen in den Bericht „Freiwilliges Engagement in Deutschland“ des Bundesfamilienministeriums ein. Da ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement im Mittelpunkt stehen, stellt sich die Frage, ob im Bericht auch Aussagen zur Selbsthilfe zu finden sind.

Doch zuerst werden an dieser Stelle ein paar zentralen Ergebnisse kurz vorgestellt: 2019 sollen sich rund 28,8 Millionen Menschen in Deutschland freiwillig engagiert haben, während es vor zehn Jahren „nur“ 31 % gewesen sein sollen. Geschlechterspezifische Unterschiede gibt es danach von der Engagementhäufigkeit her nicht mehr, doch finden sich weiterhin größere Unterschiede in den Felder, die von Frauen und Männern besetzt werden: Frauen mehr in Schule, Kita, bei den Religionsgemeinschaften und im sozialen Bereich; Männer mehr im Vereinssport, Rettungsdienst und Feuerwehr sowie der politischen und beruflichen Interessenvertretung (S. 22). Zudem übernehmen Männer weiterhin deutlich häufiger Vorstands- und Leitungsfunktionen (30,5 % zu 22,1 % bei den Frauen). Ob dies auch auf die Organisationen der Selbsthilfe zutrifft, soll an dieser Stelle offen bleiben. Es ist naheliegend, dass sich hierin gesellschaftliche und rollenspezifische Zuschreibungen widerspiegeln, der Kurzbericht geht darauf allerdings nur kurz und nicht vertiefend ein.

Nicht verwunderlich ist, dass sich insbesondere die Anzahl der ehrenamtlich engagierten älteren Menschen ab 65 Jahren erhöht hat und sich die Engagement-Quote bei höheren Bildungsabschlüssen erhöht. Am meisten wird sich weiterhin im Sport (13,5 %), gefolgt von Kultur und Musik (8,6 %) und dem sozialen Bereich (8,3 %) sowie Schule und Kindergarten (8,2 %) und der Flüchtlingsarbeit (8,0 %) engagiert. (Letzteres wird in einem eigenständigen Kapitel des Kurzberichts dargestellt). Während die Hälfte aller Menschen bis zu zwei Stunden wöchentlich aufwendet, sind ein Viertel sechs und mehr Stunden aktiv. Grundsätzlich wird ein Trend zu einem geringeren zeitlichen Aufwand konstatiert, d.h. gerade die Mehrfachengagierten reduzieren den Umfang ihres Engagements (S. 29).

Zum Schluss soll noch die Frage nach dem freiwilligen Engagement und der Selbsthilfe beantwortet werden. Im Zuge der Abfrage von Aktivitäten und Engagement lautet hier die Frage in den Interviews: „Es gibt vielfältige Möglichkeiten, außerhalb von Beruf und Familie irgendwo mitzumachen, beispielsweise in einem Verein, einer Initiative, einem Projekt oder einer Selbsthilfegruppe. Ich nenne Ihnen verschiedene Bereiche, die dafür in Frage kommen. Wenn Sie an die letzten 12 Monate denken: Haben Sie sich in einem oder mehreren dieser Bereiche aktiv beteiligt? Sind Sie oder waren Sie irgendwo aktiv …“. In den 14 Themenfelder wird ausdrücklich an zwei Stellen Selbsthilfe genannt: „4… im sozialen Bereich, zum Beispiel in einem Wohlfahrtsverband oder einer anderen Hilfsorganisation, in der Nachbarschaftshilfe oder einer Selbsthilfegruppe?“ sowie „5… im Gesundheitsbereich, zum Beispiel als Helfer/in der Krankenpflege oder bei Besuchsdiensten, in einem Verband oder einer Selbsthilfegruppe?“ (S. 47). Dementsprechend ist es schwierig bis unmöglich aus den dort abgedruckten Antworten Rückschlüsse auf das Ausmaß der in Selbsthilfe Engagierten zu ziehen. Doch da im Ranking der soziale Bereich mit 8,3 % an dritter Stelle liegt und der Gesundheitsbereich mit 2,0 % an elfter Stelle, lässt sich vermuten, dass die gruppenbezogene Selbsthilfe nicht zu den größten Bereichen des ehrenamtlichen Engagements in Deutschland zählt.

Derzeit stehen nur der Kurzbericht sowie eine Zusammenfassung im Internet zur Verfügung:
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/zahlen-daten-fakten-zur-entwicklung-des-freiwilligen-engagements-in-deutschland--176840

Frank Omland, Öffentlichkeitsarbeit

 

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