Der Stand der Digitalisierung der Non-Profit Organisationen

Das „Haus des Stiftens“ hat mit dem „Digital-Report 2020“ einen Bericht vorgelegt, der sowohl in einer Kurzfassung im Internet visualisiert wird, als auch auf 76 Seiten als Download einen Überblick zur Digitalisierung von gemeinnützigen Vereinen gibt.

Der Report beruht auf einer Online-Befragung von 5.004 deutschen Organisationen aus dem Non-Profit-Bereich im November 2019, wovon 40 % keine Hauptamtlichen beschäftigen und 61 % bis zu 20 aktive Ehrenamtliche aufweisen. Die größten Bereiche sind dabei Sport (21 %), Bildung/Erziehung (18 %) und Soziale Dienste (18 %). Selbsthilfeorganisationen dürften am häufigsten im Bereich Gesundheitswesen (ca. 5 %) anzutreffen sein (S. 10).
Der Report spiegelt natürlich nicht die (erzwungenen) Entwicklungen seit dem Beginn der Pandemie wider, doch dürfte er in seinen Kernaussagen weiterhin gültig sein. So zeigt sich, dass die Frage nach den Ressourcen für die Digitalisierung eine zentrale Rolle spielt, sprich: ist genügend Personal, Wissen und Geld dafür vorhanden? So ist der Informationsbedarf zur Digitalisierung bei einem Drittel der Befragten noch hoch, insbesondere zum Thema Datenschutz, und nur knapp ein Drittel nutzen die neuen Technologien. Hintergrund ist auch, dass nur jede fünfte Organisation überhaupt hauptamtliche IT-Verantwortliche beschäftigen kann und dann zumeist nur eine Vollzeit-Stelle eingerichtet ist. Dieser Mangel schlägt sich sowohl in der Bewertung der eigenen IT als auch beim Wunsch nach Verbesserungen derselben nieder: Zudem konstatiert der Report eine gewisse Skepsis bzgl. der Zukunftstechnologien. Mit Ausnahme vom Cloud-Computing (40 % sehen darin ein großes Potential), werden Künstliche Intelligenz, Chatbots, 3D-Druck, Internet of things und Virtual Reality Augmented Reality für das eigene Arbeitsfeld nur sehr wenig als Potential angesehen (10 %). Dabei ist natürlich zu hinterfragen, ob auch wirklich alle Antwortenden ihr jeweiliges Unwissen zu den technologischen Entwicklungen offen kundtun wollen.
Bei den Social Media-Kanälen, die von knapp 2/3 der Organisationen genutzt werden, dominiert Facebook (96 %), gefolgt von WhatsApp (54 %) und Instagram (45 %) sowie YouTube, Twitter und Berufsplattformen. Die häufige Nennung von Instagram überrascht und umso interessanter ist, was dort gepostet wird und wofür die Vereine den Kanal konkret in der Praxis nutzen. Der Bericht gibt „Kommunikation mit externen Gruppen“ (84 %) und „Kommunikation mit Mitarbeitenden und Mitgliedern“ (63 %) als wichtigsten Zweck an. Inhaltlich sind es Events, Termine, Neuigkeiten sowie Nachberichte, also faktisch die Rubrik „Aktuelles“ bzw. Infos (S. 54). Deshalb wundert es nicht, wenn die Optimierung der Kommunikation über die Social-Media-Kanäle für die Zukunft ein großes Thema für die Organisationen darstellt (S. 55).

Komplizierter wird es in dem Teil, wo die Wissenschaftler*innen ein Modell des digitalen Reifegrads einführen: „Der Digital-Report zeigt auf, welche Möglichkeiten sich für NPOs durch die Digitalisierung bieten. Unsere Ergebnisse zeigen, dass digital reifere Organisationen einen besseren Zugang zu Ressourcen haben. Gleichzeitig steht der digitale Reifegrad auch in einem Zusammenhang mit bestimmten Organisationsfähigkeiten: Evidenzbasierte Strategie, Innovationskraft und Anspruchsgruppenorientierung.“ Dafür haben die Autor*innen aufgrund der Antworten die Non-Profit-Organisationen auf einer Skala von 1 bis 100 eingeordnet. Zusätzlich stellen sie mit dem Digital-Schnell-Check noch ein Tool zur Verfügung, das es jedem Verein ermöglicht, dies selbst einmal kurz nachzuprüfen digital-report.org/schnellcheck. Entscheidend ist laut dem Report die Größe der Organisation, denn erst mit hauptamtlichen Mitarbeitenden gibt es die Möglichkeit, bestimmte Standards überhaupt umzusetzen. „Proportional zur Größe der Organisation nimmt die Einschätzung zu, dass das Aufbringen von Ressourcen für eine erfolgreiche Digitalisierung ein Hindernis darstellt“ (S. 22). Umgekehrt bedeutet dies: wenn ausschließlich Ehrenamtliche dies leisten müssen, stellt sich schnell die Frage nach deren knapp bemessenden Zeitressourcen.

Abschließend stellt der Report Charakteristika und Fähigkeiten so genannter „digital reifer Non-Profit-Organisationen“ vor, um die bisherigen Erkenntnisse aus der Umfrage zusammen zu fassen und zu diskutieren (S. 59ff). Die Autor*innen konstatieren, dass der „Dritte Sektor“ noch am Anfang des digitalen Transformationsprozesses steht, und es gelte für diesen von den Vorreitern auf dem Gebiet zu lernen. Doch ohne personelle, finanzielle und strukturelle Ressourcen, die faktisch zumeist die Politik zur Verfügung stellen muss, dürfte dies schwer umsetzbar sein (S. 68f). Eine schlichte Übertragung der Erfahrungen aus dem Wirtschaftsbereich ist dagegen kontraproduktiv, weil diese auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist.

Je nach tatsächlichem „digitalem Reifegrad“ der Vereinsvorstände und Hauptamtlichen in den Non-Profit-Organisationen dürfte der Report den einen oder anderen guten Anstoß für das eigene Arbeiten geben. Für Leseunwillige bleiben zumindest die kurzen Zusammenfassungen auf der Website und der Schnelltest, dessen Ergebnisse vielleicht eine Anregung für die Veränderung der eigenen Vorstandsarbeit darstellen.

Frank Omland
KISS Hamburg, Öffentlichkeitsarbeit

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