Armut, Vermögen, soziale und gesundheitliche Lage

Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass die wirtschaftliche Lage von Menschen eine massive Auswirkung auf deren soziale und gesundheitliche Situation hat. Zur Einordnung und Kontextualisierung sind der neue Armutsbericht des PARITÄTISCHEN Gesamtverbands (Stand: Ende 2020) und eine dazu passende Studie zur Vermögenskonzentration vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Stand: Mitte 2020) hilfreich. Letztere griff sogar die Bundeszentrale für politische Bildung auf deren Website auf und hat diese dort leicht verständlich und umfassend dargestellt.

Da es in der Bundesrepublik Deutschland keine Vermögenssteuer gibt und in Umfragen Aussagen zu hohen Vermögensverhältnissen eher nicht erschlossen werden können, bedient sich die Forschung in der Regel der Untersuchungen im Rahmen des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Dieses erfasst allerdings die Hochvermögenden nicht und damit fehlen Zahlen, die diese Gruppe einschließen. Um einen Teil der Datenlücke zu schließen, hat sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung „die Tatsache zu Nutze gemacht, dass viele Hochvermögende einen gewissen Anteil ihres Vermögens in Form von Betriebsvermögen halten. Auf Basis weltweiter Unternehmensregisterdaten konnten deutsche AnteilseignerInnen von Unternehmen lokalisieren und daraus gezielt die Höchstvermögenden ermitteln“ werden. Während nach dem SOEP das reichste Zehntel der Bevölkerung 59 Prozent des Vermögens besitzen, sind es unter Einbeziehung der Hochvermögenden jetzt 67 Prozent. Die Schere zwischen Armut und Reichtum ist also noch größer als bisher vermutet.

Im aktuellen Armutsbericht des PARITÄTISCHEN Gesamtverbands heißt es passend dazu: „Solange Geld und Einkommen in Deutschland tatsächlich die Schlüsselressource zur Absicherung des physischen Existenzminimums und zu Teilhabe darstellen, bleiben monetäre Transfers.“ (S. 25). Laut dem Bericht hat die Armutsquote in Deutschland mit 15,9 % einen historischen Höchststand erreicht, über 13 Millionen Menschen sind betroffen, und besonders stark betroffen ist, wer von Rente oder einer Pension lebt (17,1 %). Zusammenfassend heißt es beim PARITÄTISCHEN : „Das höchste Armutsrisiko haben nach wie vor Arbeitslose (57,9 Prozent), Alleinerziehende (42,7 Prozent), kinderreiche Familien (30,9 Prozent), Menschen mit niedriger Qualifikation (41,7 Prozent) und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (35,2 Prozent). Bezeichnend ist, dass die Armutsquote bei all diesen ohnehin seit Jahren besonders armutsbetroffenen Gruppen von 2018 auf 2019 noch einmal zugenommen hat.“ Doch zwischen dem Armutsrisiko und der tatsächlichen Armutsverteilung zeigen sich deutliche Unterschiede: so sind nur knapp 8 Prozent arbeitslos und 26 Prozent erwerbstätig (S. 20 Bericht). Knapp die Hälfte haben ein mittleres, 12 Prozent sogar ein hohes Bildungsniveau. Daraus folgt, dass die politischen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung deutlich mehr als bisher auszudifferenzieren sind und die holzschnittartigen Zuschreibungen wenig hilfreich für die Debatte sind.


Frank Omland
Öffentlichkeitsarbeit

 

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