KISS Hamburg geht neue Wege

Mitte Februar 2020 hat das Projekt „Neue Wege in der Selbsthilfe“ zum feierlichen Kick-off der zweiten Projektphase ins Haus des Sports eingeladen. Wie schon zum Projektauftakt vor gut drei Jahren, waren mehr als hundert Menschen aus allen Bereichen rund um die Selbsthilfe zusammengekommen. Selbsthilfeaktive sowie Expert*innen aus dem Gesundheitswesen und der App-Entwicklung lernten die Highlights der KISS Hamburg Selbsthilfe-App kennen und tauschten sich über spannende App-Projekte der Selbsthilfe sowie Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps aus. Mit buntem Filzstift und Humor brachte die Illustratorin Sina Arlt die Höhepunkte der Veranstaltung zeitgleich und ganz analog auf Papier.

„Was wir daraus machen, das bestimmt die Wertigkeit einer Veränderung.“ Dr. Pedram Emami

Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von „mündigen Patient*innen als Dreh- und Angelmoment der Selbsthilfe“. Neue Technologien eröffneten vielfältige Chancen, aber auch die Möglichkeit von Fehlentwicklungen und ethischen Irrwegen. Dennoch bleibe es wichtig „bei aller Achtsamkeit, die Chancen nicht verstreichen zu lassen, die sich aus der Digitalisierung und den modernen Technologien ergeben“. Es gelte „neue Wege zu gehen, Neues zu versuchen – vielleicht auch mal daran zu scheitern und dann wieder von neuem einen Versuch zu wagen“.

„Es ist richtig und wichtig, dass die Selbsthilfe die Chancen der Digitalisierung nutzt“ Gabriele Schippers, AOK Rheinland/Hamburg

Auch Gabriele Schippers, Geschäftsbereichsleitung der AOK Rheinland/Hamburg und Wegbereiterin des Projekts „Neue Wege in der Selbsthilfe“, betonte in ihrem Grußwort wie wichtig es sei, dass die Selbsthilfe die Chance der Digitalisierung nutzt. Gesundheits-Apps seien ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Gesundheitskompetenz. Im Bereich der digitalen Selbsthilfe stehe aber vieles erst noch am Anfang. Ziel sollte es daher sein, sie aktiv zu gestalten und da sei Hamburg bereits auf einem guten Weg.
Anke Heß führte durch die wichtigsten Stationen der vergangenen drei Projektjahre. So hat das Projekt bereits eine gute Wegstrecke zurückgelegt und kann nun mit der KISS Hamburg Selbsthilfe-App ein handfestes Ergebnis präsentieren. Daran anknüpfend zeigte Stefan Stadler, Geschäftsführer der vmapit GmbH, wann die Entwicklung einer App für kleinere Vereine und gemeinnützige Organisationen sinnvoll sein kann und welche Vorteile sich für KISS Hamburg durch die eigene App ergeben. Die Möglichkeiten und Highlights der App wurden anschließend von Claudia Schröder direkt mit ihrem Smartphone für alle Teilnehmenden sichtbar gemacht. Somit war dies auch der offizielle Kick-off für die KISS Hamburg Selbsthilfe-App.

In ihrem Impulsvortrag erweiterte Anja Burmann vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik den Blick hin zum aktuellen Stand von Forschung und Entwicklung. Dabei verdeutlichte sie den Unterschied zwischen der Masse an verfügbaren Wellness-Apps und der noch relativ geringen Anzahl von CE-gekennzeichneten medizinischen Gesundheits-Apps. Anhand ausgewählter medizinischer App-Projekte zeigte sie die Herausforderungen und Möglichkeiten der aktuellen Entwicklung auf. Demzufolge bieten medizinische Gesundheits-Apps die Chance für ein gesundheitsbewussteres Verhalten und eine bessere Einbindung von Patient*innen in ihre Versorgung. Gleichzeitig können mangelnder Datenschutz, fehlende Transparenz und Kontrolle, aber auch Fehlfunktionen und Fehlbedienung ein Risiko darstellen. Angesichts von Gesundheits-Apps auf Rezept braucht es daher vor allem klare Regelungen und Zulassungskriterien.

 

"Mit kleinen Abwechslungen im Pflegealltag können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gemeinsam einen neuen Rhythmus finden." Annika Koch, Alzheimer Gesellschaft

Auch innerhalb der gesundheitlichen Selbsthilfe sind in den vergangenen Jahren wichtige App-Projekte entstanden. Zwei in ihrer Herangehensweise unterschiedliche Beispiele aus der Praxis konnten exemplarisch vorgestellt werden. So führte Annika Koch von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft durch die App Alzheimer & You. Sortiert nach verschiedenen Kategorien von Freizeit bis Vorsorge bietet die App Tipps zur Alltagsgestaltung an. Nutzer*innen können eigene Vorschläge einreichen, die wiederum mit Sternchen bewertet werden können. Somit bietet die App interaktive Unterstützung für jeden Tag. Das Besondere der App ist auch ihre Entstehungsgeschichte: Sie ist aus einem Jugendwettbewerb hervorgegangen.

 

„Daraus haben wir gelernt!“ Arnfred Stoppok, Diabetiker Niedersachsen

Arnfred Stoppok und André Owczarek von Diabetiker Niedersachsen e.V. können mit der App DIA-AID ein soziales Netzwerk für Betroffene, Angehörige und Pflegende vorzeigen, dass vor allem Datenschutzvorteile gegenüber großen Anbietern wie Facebook oder WhatsApp bietet. Nutzer*innen können sich in verschiedenen Chatbereichen vernetzen, austauschen und gegenseitig helfen, ohne die Kontrolle über ihre Daten und die Kommunikation zu verlieren. Ganz nach dem Motto: „Aus Fehlern lernen und Erfahrungen teilen“ ist es ihnen wichtig, sich gut zu vernetzen und auszutauschen, um gegenseitig von Erfahrungen zu profitieren.

In der Abschließenden Diskussionsrunde wurden verschiedene Aspekte der App-Entwicklung für die gesundheitliche Selbsthilfe noch einmal aufgegriffen. Für Dima Chotin vom Podcast Stille Wasser liegen die Vorteile klar auf der Hand: „Die App habe ich immer dabei und verwende sie schon jetzt mehr als die Homepage von KISS Hamburg“. Im Hinblick auf die Zukunft waren sich alle darin einig, dass Gesundheits-Apps viele Chancen bieten, wenn wir uns der Risiken bewusst bleiben und die Entwicklung aktiv mitgestalten. Denn letztendlich bestimmen die Nutzer*innen den Wert einer App.

In diesem Sinne freuen wir uns auf viele Downloads der KISS Hamburg Selbsthilfe-App und auf Ihr Feedback!

SAVE THE DATE: Nächstes Forum am 16. Juni 2020.


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