Rückblick Forum "Neue Wege in der Selbsthilfe", Juni 2020

Online-Vortrag von Christine KirchnerWir haben die Krise als Chance genutzt und sind bei unserem 8. Forum mit einem Video-Livestream neue Wege gegangen. Das Thema des Forums „Generationswechsel und Nachfolge gut gestalten!“ bewegt hingegen viele Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen nach wie vor ganz analog.

Besonderheiten der Selbsthilfe

Christine Kirchner, Organisationsentwicklerin und Coachin, konnte anhand von Beispielen aus der Selbsthilfepraxis die besonderen Herausforderungen für Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen aufzeigen. Demnach stehen die Werte der Selbsthilfe in einem Spannungsverhältnis zu den funktionalen Anforderungen einer Organisation. Zudem führt die persönliche Betroffenheit zu einer ganz eigenen Organisationskultur. Durch das Teilen der persönlichen Erfahrung entsteht ein kollektives Wissen und die Kompetenz, die Selbsthilfe auszeichnet und sie so erfolgreich macht.

Unterschiede anerkennen und loslassen

Dieser Erfolg hat jedoch seine Tücken, wenn es darum geht den Staffelstab weiterzugeben. Nachfolger*innen sehen sich oftmals hohen Anforderungen gegenüber, während Amtsinhaber*innen fürchten, ihr Erfahrungsschatz gehe verloren. Der Leitsatz: „Jede*r hat das Recht auf die eigene Schuhgröße!“ schafft Christine Kirchner zufolge den notwendigen Raum für Nachfolger*innen, um in das neue Amt hineinwachsen zu können. Von Amtsinhaber*innen erfordere Nachfolge vor allem „loslassen“ und „das ist ein wirklich schwerer Job!“. Christine Kirchner rät deshalb, die Nachfolge möglichst früh und immer wieder in der eigenen Gruppe oder Organisation zu thematisieren.

Tipps aus der Praxis

Die Teilnehmenden hatten Gelegenheit vor- und während des Video-Livestreams eigene Fragen zu stellen. Dies ermöglichte Christine Kirchner ganz konkrete Tipps zu geben. So sollten einzelne Mitglieder nach Möglichkeit persönlich angesprochen werden. Bei geäußerten Vorbehalten hilft es genau nachzufragen und gemeinsam zu schauen, was für die Nachfolge realisierbar wäre. Aufgaben können zum Beispiel auch auf mehrere Schultern verteilt werden. Zudem ist es hilfreich die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Das verschafft einen Überblick und erleichtert die Einarbeitung. Darüber hinaus kann eine gemeinsame „Kultur der Anerkennung“ dazu motivieren, sich mit einem Amt in der Gruppe oder Organisation zu engagieren. Einen, von Teilnehmenden geäußerten, allgemeinen Trend zu mangelnder Verbindlichkeit konnte Christine Kirchner dagegen nicht bestätigen. Eher sollte geschaut werden, an welchen Hebeln noch gedreht werden kann, ganz nach dem Motto: „Wer keine Nachfolge findet hat noch nicht alles probiert!“.

Das Forum hat gezeigt, dass Nachfolge ein Prozess ist, der alle Mitglieder einer Selbsthilfegruppe oder Selbsthilfeorganisation betrifft und in der Regel einen längeren Atem braucht. Da gilt es sich nicht entmutigen zu lassen. Die gute Nachricht ist, dass Nachfolge häufig klappt, auch bei jüngeren Gruppen.

Sie finden keine Nachfolge? KISS Hamburg unterstützt sie gerne!

SAVE THE DATE: Nächstes Forum am 20.10.2020!

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