Brustkrebs: Selbsthilfegruppen sind Gold wert

Wer durch eine schwere (gesundheitliche) Krise geht, sollte das nicht alleine tun. „Das Beste, was man machen kann, ist sich unter anderem Hilfe bei einer Selbsthilfegruppe zu suchen.“ Das sagt Hayriye Oguz, Migrationsbeauftragte beim BRCA-Netzwerk, einer Vertretung selbst Betroffener, die Hilfe bei familiären Krebserkrankungen bietet und hier insbesondere zu Brust- und Eierstockkrebs berät und unterstützt. Sie selbst hat vor vier Jahren die Diagnose Brustkrebs erhalten und Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie durchlaufen.

Die 51-Jährige kann sich noch sehr gut an ihren ersten Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe erinnern. Ein Besuch war ihr von ihrer Ärztin empfohlen worden. In der Gruppe waren alle Frauen viel älter als sie und ihre Gespräche drehten sich um Hörgeräte und Stürze. „Das Ganze erinnerte mich zunächst an einen Seniorentreff. Anfangs habe ich mich da nicht wohl gefühlt.“ Doch als sie an der Reihe war, wurde ihr bewusst, dass diese Frauen das alles vor 20-25 Jahren durchlebt hatten und dass sie ihr sehr viel geben könnten und sie durch ihre Therapie tragen würden. Beim übernächsten Termin kam sie mit Glatze, war aufgedunsen vom Cortison und war emotional am Boden. „Ich bin unendlich dankbar, wie diese Golden Ladies mich getragen haben. Ich erhielt tolle Tipps zu Ärzten, Krankenhäusern und dem Therapieverlauf, da war ein enormes Wissen, das mir niemals ein Arzt hätte geben können.“
Sie ist immer noch begeistert davon, wie sie damals aufgefangen wurde und dem Verständnis, das sie dort erlebte. Die Gruppe traf sich zu Kaffee und Kuchen, machte Ausflüge, ging gemeinsam essen, der Zusammenhalt war enorm. Sie freute sich auf die Geschichten, die die Teilnehmenden darüber hinaus erzählten, und über den geschützten Rahmen zum Thema Brustkrebs. „Diese Qualität schafft kein privates Umfeld und auch kein Arzt. Das ist Gold wert!“ Leider hat sich die Gruppe mittlerweile aufgelöst, da die Gruppenleitung sich zurückgezogen hat und keine Nachfolge fand. Hayriye Oguz wurde die Gruppenleitung angetragen, doch wegen der Versorgung ihrer schwerkranken Mutter konnte sie das nicht übernehmen.

Durch die Pflege ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter und davon schon ihres schwerkranken Vaters hatte sie bereits vor ihrer eigenen Erkrankung viel über die Zusammenarbeit mit Krankenkassen und Ärzten sowie den Fallstricken dabei gelernt. Ihre Erfahrungen möchte sie weitergeben. Hayriye Oguz ist ein sehr vernetzter und engagierter Mensch. Sie ist aktiv in mehreren Netzwerken, fährt Drachenboot bei den Hamburg PinX – einer Sportgruppe, die nach ihrer Therapie Drachenboot fahren und sich über neue Mitglieder freuen - und ist seit zwei Jahren aktiv im BRCA-Netzwerk. Als bundesweite Migrationsbeauftragte des BRCA-Netzwerkes spricht sie insbesondere auch türkische Frauen an und berät sie. Sie hat selbst türkischen Wurzeln und vertritt die Haltung, dass es für die Heilung enorm wichtig ist, darüber zu sprechen. Egal aus welchem Kulturkreis man kommt. „Die Krankheit und die damit verbundenen Sorgen in sich hineinzufressen, ist nicht gut“, sagte sie. „Es kontaktieren mich viele Betroffene unterschiedlicher Nationalitäten. Der Austausch ist sehr wichtig. Auch, wenn es manchmal holperig wird in der Verständigung, Verständnis zu zeigen und auf Beratungsangebote hinzuweisen geht auch mit niederschwelligem sprachlichen Austausch.“

Generell rät sie betroffenen Frauen: „Informieren Sie sich nicht zu viel, das verunsichert. Gerade auch das beliebte „googeln“ ist teilweise sehr niederschmetternd. Das Beste, was man machen kann, ist sich neben seinen Fachärzten unter anderem Hilfe bei einer Selbsthilfegruppe zu suchen. Die Chance, die richtige Gruppe zu finden, ist groß. Beim Arzt gibt’s die fachlichen Infos, in einer Selbsthilfegruppe wird man in seiner Krise menschlich aufgefangen und bekommt lebensnahe Fachinfos von ebenfalls Betroffenen. So eine Diagnose hat viele Auswirkungen, gesundheitliche, familiäre, soziale. Wenn man sich nicht Unterstützung sucht, wird es schwierig.“
Hayriye Oguz steht nun selbst als Betroffene auf der Seite derer, die unterstützen. Denn sie weiß aus ihrer eigenen Erfahrung, wie wichtig Netzwerke für Betroffene sind.

 

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