09.05.2018

Selbsthilfe und Interkulturalität

Am Ball bleiben? Am Ball bleiben! So lautet unser Fazit aus der Arbeit im Bereich Interkulturalität und Selbsthilfe, und eine neue Handreichung aus Nordrhein-Westfalen schildert an praktischen Beispielen, wie das gehen kann.

„Aufmachen – Selbsthilfe kann INTERKULTURELL“ so lautet der Titel der praxisnahen Handreichung der PARITÄTISCHEN Gesellschaft für soziale Projekte, die kürzlich in Nordrhein-Westfalen erschien. Die Broschüre für interessierte Profis aus der Selbsthilfe(gruppen)landschaft entstand von 2015 - 2017. In den Jahren zuvor hatten KISS-Hamburg das Projekt „Weiterentwicklung der Selbsthilfeunterstützung für Migrantinnen und Migranten in Hamburg“ gestaltet. Das Ergebnis war ein Booklet mit dem Titel „Kultursensible Selbsthilfe – Wege zur Interkulturellen Öffnung der Selbsthilfe am Beispiel des Hamburger Praxisprojekts“. In diesem wurden die Ergebnisse festgehalten die von 2009 - 2015 gesammelt und erprobt worden waren.

Beide Projekte betonen den nötigen „langen Atem“ der professionellen Unterstützer*innen bei der Gründung von Selbsthilfegruppen, die Menschen mit Migrationserfahrung ansprechen wollen.
Sie geben Handlungsempfehlungen an Selbsthilfeberater*innen weiter und betonen, wie wichtige Aufbau und Pflege von Netzwerken für die nachhaltige Implementierung von Selbsthilfegruppen im Gesundheitswesen sind. Ansprechpartner*innen sind Multiplikator*innen aus vielfältigen Kontexten. Beispielsweise können Anbieter von Deutschkursen, Beratungsstellen für Migrant*innen, muttersprachliche Ärztinnen und religiöse Zentren (Synagogen, Moscheen, Kirchen) als Brücke zwischen den Mitarbeitenden von Kontaktstellen fungieren. Auch ein multikulturell zusammengesetztes Team kann den Kontakt zwischen diversen Communities und der „Selbsthilfe(gruppen)szene“ erleichtern. Besonders sprachliche Kompetenzen (russisch, türkisch, farsi…) sind Türöffner. Ebenso wie die Kenntnis um kulturelle Gegebenheiten. So konnten sich beispielsweise Märchen- oder Sagengestalten aus den Herkunftsländern, die den Selbsthilfeaspekt transportieren, als hilfreich erweisen, um in den Dialog mit Interessierten treten zu können. Das klassische Bild des Stuhlkreises, in dem Gespräche stattfinden, ist wenig hilfreich. Das Reichen von Snacks und Getränken sowie ein flexibler Umgang mit den Beginn- und Endzeiten der Selbsthilfegruppentreffen erleichtern den Zugang zu gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppen. Auch so mancher Mensch ohne Migrationshintergrund kann den weniger an der Stechuhr orientrieten Zeitplan als Gewinn erleben.

Was die aktuell erschiene Broschüre der PARITÄTISCHEN Gesellschaft für Soziale Projekte darüberhinaus sehr interessant und konkret macht, sind die handlungspraktischen Empfehlungen und Übersetzungsbeispiele, die eingefügt sind.

Interessierte finden die erwähnten Publikationen im Internet unter den folgenden Links.
„Aufmachen – Selbsthilfe kann INTERKULTURELL“:
https://www.paritaet-nrw.org/rat-und-tat/veroeffentlichungen/broschueren/?L=0

Kultursensible Selbsthilfe:
https://www.kiss-hh.de/materialien/broschueren-literaturtipps/details/article/fachbroschuere-kultursensible-selbsthilfe.html


Bettina Brooks, Selbsthilfeberaterin in der Kontaktstelle Altona

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