15.11.2018

Patientenorientierung am Beispiel „Barrierefreie Arztpraxen“

Die Patientenorientierung im Gesundheitswesen nimmt einen immer größeren Stellenwert ein und gewinnt damit gesundheitspolitisch zunehmend an Bedeutung. An vielen Stellen im Gesundheitswesen ist die Beteiligung von Patientinnen und Patienten gefragt, geschätzt und selbstverständlich z.B. im gemeinsamen Bundesausschuss, im Forum Patientenvertretung, in Qualitätszirkeln von Kliniken, im Ärztekammerforum, in Beiräten und Expertengremien. Diese Entwicklung betrifft stationäre, öffentliche und ambulante Versorgungsstrukturen.

Im Bereich der ambulanten Versorgung sind für uns die Erfahrungen rund um unser Projekt mit der Patienteninitiative Hamburg „ Barrierefreie Arztpraxen“  besonders bemerkenswert. Das Ziel des Projektes ist es, dass alle Menschen, egal ob mit körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen, die richtige Arztpraxis für sich finden. Dies soll mit Hilfe einer eigens entwickelten App (>>PlanB) möglich werden. Eine möglichst genaue Beschreibung der Gegebenheiten vor Ort erleichtert den Patientinnen und Patienten die Suche nach einem geeigneten Angebot. Die dazu im Projekt erstellte Checkliste zur Feststellung der Barrierefreiheit einer Praxis ist unter der maßgeblichen Beteiligung von Betroffenen entstanden und erprobt worden. Dadurch können bei den Praxisbesuchen im Rahmen des Projektes die unterschiedlichen Bedarfe verschiedener Patientengruppen sehr genau berücksichtigt werden.

Dabei zeigte sich, dass es viele kleine, einfache und kostengünstige Maßnahmen gibt, die in einer Praxis Barrieren abbauen, oft ohne dass es den Praxisteams bewusst ist.  So gibt es optische Aufruf-Signale für Hörgeschädigte, Garderoben mit unterschiedlich hohen Kleiderhaken oder Halterungen für Gehhilfen. Viele Praxisteams waren bei den Begehungen sehr offen für Anregungen, wie die Barrierefreiheit in ihren Räumlichkeiten verbessert werden kann.

Für die Projektbeteiligten bedeutet Patientenorientierung in diesem Zusammenhang ausdrücklich nicht, dass eine Praxis zu 100% barrierefrei sein muss. Wichtiger ist aus unserer Sicht, dass ein Praxisteam sich dieser Thematik bewusst ist und im Sinne des Versorgungsauftrags für möglichst viele Patientinnen und Patienten zugänglich ist. Wo das nicht der Fall ist, sollte sich jede Praxis ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein und entsprechende Schritte zur Verbesserung der Barrierefreiheit einleiten. Kommen Sie bei Fragen gerne auf uns zu und profitieren Sie von unseren Erfahrungen. Uns ist bewusst, dass immer auch bauliche, bürokratische und nicht zuletzt finanzielle Hürden zu berücksichtigen und zu bewältigen sind, aber diese sollten dem Patientenrecht auf Teilhabe an allen Versorgungsleistungen des Gesundheitssystems nicht entgegenstehen.

Es haben sich bereits über 100 Arztpraxen am Projekt beteiligt und sind über unsere App auffindbar. Wir freuen uns über weitere Arztpraxen, die daran interessiert sind, im Rahmen unseres Projektes „Barrierefreie Arztpraxen“ daran mitzuwirken, für alle ihre Patientinnen und Patienten schon vor dem ersten Praxisbesuch eine Orientierung und Entscheidungshilfe zu bieten.

Nähere Informationen finden Sie unter https://patienteninitiative.de. Zur App PlanB geht es hier.


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