13.08.2018

Neutralität und Unabhängigkeit in der gesundheitlichen Selbsthilfe

In Selbsthilfegruppen, die sich mit gesundheitlichen Themen auseinandersetzen, spielen immer auch verschiedene Therapiemöglichkeiten, Medikamente, Hilfsmittel und soziale Bewältigungsstrategien eine wesentliche Rolle. Das Gespräch über den Alltag und die Bewältigung einer chronischen Erkrankung innerhalb persönlicher Beziehungen, am Arbeitsplatz und in der Freizeit steht beim Erfahrungsaustausch des Einzelnen in der Gruppe an erster Stelle. Daneben findet vielfach auch ein persönlicher Austausch über die unterschiedlichen medizinischen und therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten statt. Dieser Austausch innerhalb der Selbsthilfegruppen beruht immer auf den persönlichen Erfahrungen des Einzelnen und ist deshalb keine Empfehlung für eine bestimmte Behandlung oder ein bestimmtes Medikament. Vielmehr macht Jede und Jeder eigene Erfahrungen und tauscht sich mit anderen Betroffenen im geschützten, informellen Rahmen einer Selbsthilfegruppe darüber aus. Im Wesentlichen geht es in den Selbsthilfegruppen um den täglichen Umgang mit einer chronischen Erkrankung und Bewältigungsstrategien im Alltag. Es geht in der Regel nicht um den Einsatz, die Risiken und den Nutzen eines bestimmten Medikamentes oder einer bestimmten Behandlungsform.

Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Selbsthilfegruppen sich zu unterschiedlichen Therapieverfahren und Behandlungsmöglichkeiten austauschen, ist selbstverständlich. Genauso selbstverständlich ist es, dass sich die Gruppen immer wieder damit auseinandersetzen, ihre Neutralität und Unabhängigkeit gegenüber kommerziellen Anbietern, Institutionen oder Behörden zu wahren. Einseitige Empfehlungen, ausschließliche Beschäftigung einer Gruppe mit einem Medikament, Produkt und / oder Werbung für ein bestimmtes Produkt bzw. eine Behandlungsform stellen diese Neutralität und Unabhängigkeit der Selbsthilfegruppe in Frage.

Selbsthilfegruppen, Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfekontaktstellen gehen mit dieser Problematik in der Regel sehr sensibel um. Viele Selbsthilfeorganisationen und die ihnen angeschlossenen Selbsthilfegruppen haben sich etwa im Rahmen des Forums chronisch kranker und behinderter Menschen des PARITÄTISCHEN Gesamtverbandes zur Teilnahme an einem regelmäßigen Monitoring entschlossen. Hier werden in einem geregelten Verfahren  Kooperationen transparent gemacht und die Neutralität und Unabhängigkeit geprüft. Download unter https://www.der-paritaetische.de/schwerpunkte/selbsthilfeforum/unabhaengigkeit/monitoring/

Selbsthilfekontaktstellen wahren die Neutralität und Unabhängigkeit, indem sie auf die gesetzlich geregelte Förderung ihrer Arbeit durch die gesetzlichen Krankenkassen, die öffentliche Hand oder andere Sozialversicherungsträger hinweisen. In der Regel werden Selbsthilfekontaktstellen von der öffentlichen Hand, den Kommunen und den gesetzlichen Krankenkassen gefördert, die Förderung durch kommerzielle Dritte spielt praktisch keine Rolle. Die Mitarbeitenden der Selbsthilfekontaktstellen beraten oder empfehlen Selbsthilfegruppen, Selbsthilfeorganisationen oder Interessierte weder zu medizinischen oder therapeutischen Hilfsmitteln, Medikamenten, Kliniken, Praxen oder bestimmten Behandlungsformen.

Selbsthilfeorganisationen oder Selbsthilfegruppen, die sich treffen, um sich über ein bestimmtes Medikament oder ein Hilfsmittel auszutauschen, müssen sich Fragen danach stellen lassen, ob sie sich tatsächlich neutral und unabhängig austauschen können.

Um die Neutralität und Unabhängigkeit der Selbsthilfe von kommerziellen Interessengruppen zu wahren, unterstützt KISS Hamburg keine Selbsthilfeorganisationen oder Selbsthilfegruppen, in denen sich die Gruppenteilnehmerinnen und -teilnehmer ausschließlich mit einem Medikament oder einer Therapieform beschäftigen.

Christa Herrmann
KISS Hamburg

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