13.11.2018

Imagefilme für die Selbsthilfe – Überraschend anders, überraschend ähnlich

Was passiert eigentlich, wenn Wikinger etwas nicht mehr auf die Reihe kriegen? Wofür können Tiere stehen? Und was macht ein gutes Video aus, das für Selbsthilfe wirbt? Die Vielfalt der Selbsthilfe spiegelt sich auch in der Vielfalt wider, mit denen durch kurze Videos, Animations-, Comic- und Realfilme für die eigene Sache geworben werden kann.

So hat die KISS Stuttgart, gerade mit einem Realfilm den Vogel abgeschossen oder besser gesagt, das Ziel verfehlt und trotzdem getroffen, denn selbst ein Wikinger braucht mal Hilfe. Die Wolfsburgerinnen gehen einen anderen Weg: mit Hilfe von Fotos und der Einblendung bestimmter Wortgruppen und ganzer Sätze vermitteln sie Dritten Inhalte und Ziele von Selbsthilfegruppen; dabei ist der Film deutlich ruhiger und kontemplativer angelegt, als der auf die Pointe ausgerichtete Film aus Stuttgart. Dies sind nur zwei entgegengesetzte aktuelle Beispiele für Kurzfilme, die zum Besuch von Selbsthilfegruppen animieren sollen.

Angesichts von über 300 Selbsthilfekontaktstellen und mehreren hundert Selbsthilfe-Verbänden gibt es eine überschaubare Anzahl von öffentlich zugänglichen Filmen, wobei zu unterscheiden ist zwischen „Erklärvideos“ zu bestimmten Krankheitsbildern (etwa die Reihe der Deutschen Gesellschaft für Multiple Sklerose oder von der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. zur Suchtselbsthilfe) und Filmen, die allgemein etwas zur Arbeit der Selbsthilfekontaktstellen bzw. zur Arbeit von Selbsthilfegruppen aussagen. Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) hat einige Beispiele auf einer Playlist ins Netz gestellt.

Auf Rückfragen bei anderen Kontaktstellen haben wir einige Links zu Videos gesandt bekommen, deren Inhalte zum Teil sehr konventionell, zum Teil sehr innovativ die Themen angehen. Doch je nach Zielgruppe und Betrachtenden liegen hier die Bewertungen – auch innerhalb der Mitarbeitenden in der Selbsthilfeunterstützung – weit auseinander.

Wir von KISS Hamburg haben in der Vergangenheit klassische Imagekampagnen-Filme gedreht, die Aktive aus der Hamburger Selbsthilfe im Interview zeigen bzw. das Thema Selbsthilfe und Migration beleuchten. Diesen Weg des Realfilms gehen auch mehrere andere Filme der anderen Kontaktstellen im Bundesgebiet, so hat etwa die KISS Mittelfranken mit „Anders als erwartet“ einen 30sekündigen Kinospot gedreht und parallel dazu einige Gruppen in Filmen festgehalten: „Ein Blick in die Selbsthilfegruppen“.

Die Bochumer Kontaktstelle ging einen anderen Weg: zu Beginn erzählt eine Reinigungskraft etwas Alltägliches über sich und die Stadt an sich, um beim Thema Krankheit den Blick in Richtung Selbsthilfe zu richten. Danach geht es im eher klassischen Stil zur Arbeit von Kontaktstellen weiter, um dann immer einmal wieder auf die Eingangserzählerin überzugehen. Und selbst in den klassischen Erzählformaten finden sich immer wieder interessante Ansätze, wie Gruppen anonymisiert und die Aufmerksamkeit bindend dargestellt werden können, so etwa in der Eingangssequenz bei einem Film der KISS Mitelfranken, wo eine Depressionsgruppe dargestellt wird, aber während eine mit dem Rücken zur Kamera sitzende Person etwas sagt, alle Teilnehmenden gleichzeitig ihre Gesichter mit einem beschriebenen Schild verdecken, auf dem Wörter wie Wertschätzung, Mitgefühl, Zuhören u.ä. stehen.

Die KISS Spremberg kommt in ihrem Film fast ohne OFF-Stimme aus und konterkariert Bilder zur Selbsthilfe mit einem poppigen Trailer und Texten, die mit witzigen Gruppennamen spielen.

Auch der Wechsel von Realfilm zu zeichnerischen Elementen findet sich gelegentlich; so etwa in einem kürzerem und längeren Video der Jungen Selbsthilfe, der inhaltlich gut mit Fragen, Unwissen und (Vor-)Urteilen umgeht. Oder gar völlig abstrakte Animationen, die mit einer Off-Stimme erläutert werden, wie dies die KISS Tuttlingen in einem Imagefilm zur Selbsthilfe getan hat.

Zusammenfassend kann gesagt werden: je nach Zielgruppe und dem Inhalt, der vermittelt werden soll, eignen sich eher kurze und ungewöhnliche Videos sehr gut, um gruppenbezogene Selbsthilfe als eine alternative Möglichkeit für Betroffene darzustellen. Bei Erklärvideos zu bestimmten Erkrankungen bzw. Filmen, die die eigene Arbeit darstellen sollen, darf die Dauer ruhig einmal 5 Minuten erreichen, alles darüber hinaus ist tatsächlich nur für besonders Interessierte geeignet. So oder so lohnt sich aber immer mal wieder der Blick auf neue Videos aus und von der Selbsthilfe.

Frank Omland,
Öffentlichkeitsarbeit,
KISS Hamburg

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