19.06.2019

Hamburg fördert die Gesundheitskompetenz von Patientinnen und Patienten

Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag angemessene Entscheidungen zur Förderung der eigenen Gesundheit treffen zu können.

Die Hälfte der Hamburgerinnen und Hamburgern sieht sich nach eigener Aussage nicht als umfassend gesundheitskompetent an. Dies kann negative Auswirkungen bei der Orientierung im Gesundheitswesen sowie beim Verständnis von Therapie- und Arzneimittelplänen haben und letztlich zu schlechterem Gesundheitsverhalten, vermindertem Behandlungserfolg und höheren Kosten im Gesundheitswesen führen. Dabei entscheidet häufig der soziale Status über den Umfang der Gesundheitskompetenz und hat letztlich auch Einfluss auf die Lebenserwartung. Vor diesem Hintergrund wollen die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) sowie die Akteure des Hamburger Gesundheitswesens konkrete Maßnahmen umsetzen, um die Gesundheitskompetenz der Hamburger Bevölkerung zu erhöhen.

Die sektorenübergreifende Landeskonferenz Versorgung, bei der auch KISS Hamburg vertreten ist, hat deshalb die Förderung der Gesundheitskompetenz zu ihrem Jahresthema gemacht. Die Hamburger Akteure des Gesundheitswesens erarbeiteten konkrete Maßnahmen:

  • Um Patientinnen und Patienten zu unterstützen, werden Notizblöcke für „3 Fragen zu Ihrer Gesundheit“ zur besseren Vor- und Nachbereitung von Arzt-Patienten-Kontakten sowie eine neue Internetseite zur Gesundheitskompetenz unter www.hamburg.de/gesundheitskompetenz bereitgestellt.
  • Die Broschüren „Gesundheitsversorgung in Deutschland – einfach erklärt“, „Ich muss ins Krankenhaus“ und „Ihre Rechte als Patient und Patientin“ werden in einfacher Sprache herausgebracht und sollen Patienten bei der Orientierung im Gesundheitssystem helfen.die PDFs dieser Broschüren finden Sie unter "Hamburger Wege zu besserer Gesundheit" auf der Website www.hamburg.de/gesundheitskompetenz.
  • Moderne Informationsmedien der Institutionen der Landeskonferenz (z. B. Gesundheitsinformations-Apps) sollen verstärkt zur Ansprache bestimmter Zielgruppen genutzt werden. Informationsmaterialien sollen weitgehend in einfacher oder leichter Sprache und barrierefrei herausgegeben werden.
  • Auch die Zugänge des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Kindertagesstätten und Schulen sollen weiter ausgebaut werden, um die frühzeitige Vermittlung gesundheitsrelevanter Informationen und Verhaltensweisen zu fördern.
  • Das Projekt der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz „MiMi – Migranten für Migranten“, das Kenntnisse von Migrantinnen und Migranten über das deutsche Gesundheitssystem verbessern hilft, soll mit Blick auf die deutschsprachige Bevölkerung ausgeweitet werden.
  • Die Akteure der Landeskonferenz Versorgung unterstützen alle Maßnahmen, bei denen im Rahmen der Ausbildung/des Studiums oder der Weiterbildung der medizinischen, pharmazeutischen, psychotherapeutischen und pflegerischen Fachkräfte der direkte Kontakt zwischen Studierenden/Auszubildenden und Nutzern des Gesundheits-/Pflegesystems zur Kommunikation und Interaktion hergestellt wird (z. B. Gesundheitsakademie des UKE).


Patientenvertreterin Christa Herrmann, PARITÄTISCHER Hamburg/KISS Hamburg, sagt dazu: "Das komplexe Gesundheitssystem erschließt sich nicht von selbst. Daher begrüßen wir jede Initiative, die dazu beiträgt, es für alle Menschen verständlicher und damit zugänglicher und barrierefreier zu machen. Denn nur dann haben alle die Chance, die zur Verfügung stehenden gesundheitlichen Versorgungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Dazu bedarf es in erster Linie eines Gesundheitswesens, in dem Menschen arbeiten, die in der Lage sind, angemessen mit Patient*innen zu kommunizieren und die ihnen bei der Suche nach den richtigen Therapien behilflich sind. Der Erwerb von Gesundheitskompetenz ist keine Einbahnstraße zulasten der Patient*innen, sondern benötigt wechselseitige Lernprozesse zwischen ihnen und den Versorgungssystemen.“

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks: „Angesichts des eindeutigen Einflusses der sozialen Lage auf die Gesundheit, der Zunahme chronischer Erkrankungen, der kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft sowie einer großen Informationsflut erlangt Gesundheitskompetenz immer mehr an Bedeutung. Dass viele Menschen nach eigener Aussage nur eingeschränkt gesundheitskompetent sind, liegt nicht allein an ihren mangelnden individuellen Fähigkeiten, sondern auch an der Art und Weise, wie Sachverhalte durch die Gesundheitsberufe vermittelt werden und auch an der Komplexität des Gesundheitssystems. Gesundheitskompetenz ist also nicht nur eine individuelle Angelegenheit. Der Staat und alle Akteure müssen dazu beitragen, dass unser Gesundheitswesen genauso verständlich ist wie einzelne Diagnosen und Behandlungen.“


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