18.11.2019

Die Dokumentation von Selbsthilfe-Angeboten in der BADO

In der Basisdatendokumentation (BADO), die sich aus den Beratungskontakten aller Hamburger Suchtberatungsstellen speist, wird in sechs Fragen auch direkt und indirekt der Bereich der gruppenbezogenen Selbsthilfe erfasst. Am offensichtlichsten mit der Frage nach der „Dauer aller Teilnahmen an Selbsthilfegruppen zu Betreuungsbeginn“ sowie den „Vorrangegangenen Betreuungen in den letzten 60 Tagen“. Drei weitere Fragen beschäftigen sich mit dem Thema „Betreuung“ in der eigenen Einrichtung, ergänzenden Kooperationen sowie den Weiterbetreuungen in anderen Einrichtungen und eine sechste Frage mit den so genannten Kontaktempfehlungen. Je nachdem, ob Mehrfachantworten möglich sind, erhöht sich auch die Häufigkeit mit der hier auch Aussagen zur Selbsthilfe erfolgen. Die Anzahl der erfassten Fälle schwankt dabei je nach Frage zwischen 2.000 und 11.000. Ein Vergleich des aktuellen Zehn-Jahres-Zeitraums von 2008 bis 2017 - die Auswertung der 2018er Daten liegt noch nicht vor – ergibt folgendes Bild: Unabhängig von der Suchterkrankung und dem Hauptkonsummittel (Alkohol, Opiate, Cannabis, Kokain) ist die Anzahl der Menschen, die vor dem Besuch der Suchtberatungsstellen schon einmal an einer Selbsthilfegruppen teilgenommen haben sehr gering. Knapp 69-71 % der Betroffenen mit Hauptkonsum Alkohol haben fast unabhängig vom Geschlecht vorher noch nie eine Selbsthilfegruppe besucht. Die Nichtteilnahme bei den anderen Betroffenen (Opiate, Cannabis, Kokain) fällt noch höher aus und liegt bei 94-99 %. Bezieht man außerdem noch diejenigen ein, die höchstens 1 Jahr in einer Selbsthilfegruppe waren, erhöht sich die Quote derjenigen, die wenig bis gar keine Erfahrungen mit diesen gemacht haben noch einmal. Selbst für das Hauptkonsummittel Alkohol kann deshalb konstatiert werden, dass lediglich 8-9 % länger als ein Jahr in einer Selbsthilfegruppe waren, bevor sie wegen eines Themas die Suchtberatung aufsuchten. Das entspricht in absoluten Zahlen durchschnittlich zwischen 200 bis 300 Menschen. Ob es im Umkehrschluss statthaft ist, daraus die These abzuleiten, dass Menschen in Gruppen deutlich weniger als die anderen die Unterstützung von Suchtberatungsstellen benötigen, muss mangels weiterer Daten offen bleiben.

Der Erkenntnisgewinn aus der Auswertung der weiteren fünf Fragen aus der BADO, die Aussagen zur Selbsthilfe beinhalten, ist geringer und soll aufgrund der obigen Aussagen nur noch für das Hauptkonsummittel Alkohol benannt werden. So überrascht es nicht, dass die Frage nach der Kontaktempfehlung nur in Ausnahmefällen zur Selbsthilfegruppe verweist; vermutlich weil die akute Situation der meisten Betroffenen erst einmal ganz andere Maßnahmen fachlich sinnvoll erscheinen lässt. Ähnlich ist es bei den Antworten auf die Betreuung in der eigenen Einrichtung, beides zielt lediglich bei knapp 1 % der Betroffenen auf den Besuch einer Selbsthilfegruppe ab und betrifft eine ganz kleine Gruppe von Betroffenen, in den letzten Jahren eher 50 als 100 Menschen.
Unter Geschlechter-differenziertem Blickwinkel ist es interessant, dass Frauen deutlich häufiger als Männer vor Besuch der Suchtberatung in einer Selbsthilfegruppe gewesen sind (=Vorrangegangene Betreuungen) und diese Verteilung zugunsten der Frauen auch bei den Fragen nach der Ergänzenden Betreuung und der Weiterbetreuung so erhalten bleibt. Insgesamt sind hier im Zehn-Jahres-Vergleich zwischen 15-20 % der Betroffenen auch an Selbsthilfegruppen vermittelt bzw. auf das Angebot von Selbsthilfegruppen aufmerksam gemacht worden. Doch Frauen werden deutlich häufiger als Männer auf Selbsthilfe hingewiesen (Weiterbetreuung 2017: 23,5 % der Frauen zu 16,7 % der Männer). Dies bleibt auch im Zehn-Jahres-Vergleich erhalten. Ob das an der Offenheit der Frauen für solche Angebote oder am Beratungsverhalten der Professionellen liegt und sich dahinter auch ein bestimmtes Geschlechterverhalten verbirgt, muss ebenfalls offen bleiben.

Je nach der jeweiligen Sichtweise kann die Häufigkeit der Verweise an Selbsthilfegruppen durch die Suchtberatungsstellen als angemessen oder als zu gering bewertet werden. Es wäre interessant, wenn die BADO einmal einen kleinen Auswertungsschwerpunkt zu den obigen Fragen veröffentlichen würde, der dann vielleicht auch die eine oder andere neue Erkenntnis bringt, die sich aus den veröffentlichten Daten derzeit nicht erschließen lässt.

Frank Omland,
Öffentlichkeitsarbeit

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