Zukunftswerkstatt Suchtselbsthilfe – ein Bericht

Unter dem Motto „Wie sieht die Suchtselbsthilfe 2030 aus?“ hatte die Hamburger Landesstelle für Suchtfragen e.V. im Januar 2024 zu einer Zukunftswerkstatt eingeladen, um über die Veränderungen in der Suchtselbsthilfe, Ressourcen sowie die Zukunft des Lotsenprojektes zu sprechen.

An einem Samstag trafen sich knapp 20 Aktive aus der Suchtselbsthilfe, Lots*innen, professionelle Fachkräfte aus der Suchtselbsthilfe und der Suchthilfe aus Hamburg und Schleswig-Holstein, um sich gemeinsam den Fragen der Zukunft für die Suchtselbsthilfe zu stellen. Zu Beginn hielt Linda Heitmann, ehemalige Geschäftsführerin der Hamburger Landesstelle für Suchtfragen und Bundestagsabgeordnete der Grünen ein Grußwort. In ihrer damaligen Funktion für die HLS hat sie das Lotsenprojekt in Hamburg an den Start gebracht und die beteiligten Ehrenamtlichen von Anfang an begleitet. Das Lotsenprojekt ist ein Peer-to-Peer-Angebot, bei dem Alkoholerkrankte von ehemals Abhängigkeitserkrankten/Betroffenen im Therapieverlauf und in die Selbsthilfegruppen begleitet werden. Linda Heitmann berichtete auch von ihrer Arbeit aus dem Bundestag im Bereich Drogen- und Suchtpolitik und ihrer Bemühungen die Verhältnisprävention von Alkohol zu stärken.

Der thematische Einstieg der Zukunftswerkstatt begann mit einer Betrachtung gesamtgesellschaftlicher Verhältnisse und Entwicklungen, wie Digitalisierung, demografischer Wandel, Individualisierung und die Bildung sozialer Milieus sowie den Herausforderungen, die sich dadurch für die Suchtselbsthilfe und das Engagement in Selbsthilfegruppen ergeben. In drei Gruppen wurde anschließend lebhaft zu den Veränderungen des Suchtselbsthilfesystems, Ressourcen und der Zukunft des Lotsenprojekt diskutiert und erste Ideen und Wünsche für die Selbsthilfe erarbeitet. So konnte für das Hamburger Lotsenprojekt, welches nicht weiter von der Deutschen Rentenversicherung Nord finanziert wird, eine gute Lösung gefunden werden: Die Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein e.V. kann dieses in Eigenregie weiterführen. Ziel ist die Integration der Hamburger Lots*innen als Schnittstellen zwischen Suchthilfe und Selbsthilfe, die Vernetzung der Lots*innen untereinander sowie eine Öffentlichkeitsarbeit, die das Peer-to-Peer Angebot bekannter macht.

Ein erstes Fazit
Die Teilnehmenden der Zukunftswerkstatt beschrieben die Veränderungen, Entwicklungen und Ressourcen in der Suchtselbsthilfe als professionell, vielfältig und ausdifferenziert. Viele Selbsthilfe-Aktive sind sehr engagiert und übernehmen Verantwortung in eigener Sache. Eine bessere Vernetzung der Aktiven untereinander, um die zahlreichen Möglichkeiten zu verbreiten, sich gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen, wird aus ihrer Sicht zukünftig bedeutsam sein.
Die Selbsthilfe-Aktiven machten deutlich, dass durch die Digitalisierung neue Chancen entstanden sind: Es gibt zunehmend Online-Gruppen, neue digitale oder hybride-Veranstaltungsformate, Online-Materialien und Podcasts aus der Suchtselbsthilfe. Auch die Sozialen Medien spielen mittlerweile eine wichtige Rolle, um neue Zielgruppen zu erreichen und Zugangsbarrieren abzubauen.
Nicht nur die Gesellschaft wird immer älter, sondern auch die Altersstruktur in den Selbsthilfegruppen weist durchschnittlich immer mehr ältere Teilnehmende auf. Dagegen erweist es sich als mühsam, junge Menschen langfristig in bestehende Gruppen zu integrieren. Hier braucht es eine Öffnung der Selbsthilfe gegenüber neuen Formaten, die auch für jüngere Menschen attraktiv sind.
An vielen Stellen in der Suchtselbsthilfe wird bereits versucht, neue Wege zu gehen, um den gesellschaftlichen Veränderungen gerecht zu werden. Die Zukunftswerkstatt zur Suchtselbsthilfe im Jahr 2030 bot eine interessante Gelegenheit Ideen und Perspektiven auszutauschen, den Blickwinkel zu erweitern und ermutigende Impulse mitzunehmen.

Lisa Jung,
Selbsthilfeberaterin

 

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