Studie Gesundheit und sozialer Status

Die Stiftung Gesundheitswissen (SGW), eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts, wurde 2015 durch den Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. gegründet. Im Expertenrat der Stiftung sitzt u.a. die BAG Selbsthilfe sowie verschiedene Vertreter*innen von Hochschulen und Universitätskrankenhäusern. In der Studie „Statussymbol Gesundheit – Wie sich der soziale Status auf Prävention und Gesundheit auswirken kann“ wurde untersucht, welchen Einfluss der soziale Status auf Gesundheit, Prävention und das Informationsverhalten der Menschen in Deutschland hat. Dazu sind im September 2019 in einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage 1.255 persönliche mündliche Interviews mit über-16-Jährigen geführt worden. Die seit Dezember 2020 vorliegende 13-seitige Zusammenfassung der Ergebnisse hebt auf bekannte Phänomene ab: je höher der sozioökonomische Status, desto positiver die Einschätzungen zur eigenen gesundheitlichen Lage und desto größer der Glaube daran, die eigene Gesundheit beeinflussen zu können. Zudem sind das Wissen um Gesundheitsprävention und der Zugang zu solchen Informationen ebenfalls vom sozialen Status abhängig, doch klafft weiterhin zwischen Wissen und Handeln eine Lücke. Das Wissen um die Auswirkungen schädlichen Verhaltens hat nicht zwangsläufig die Veränderung desselben zur Folge.

Wie wenig der Bericht über den Tellerrand schaut, lässt sich bei dieser Aussage nachvollziehen: „Ein Grund für die geringeren Präventionsaktivitäten bei sozial schwächer Gestellten könnte der mangelnde Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen sein, denen sie vertrauen, sowie die fehlende Kompetenz, diese überhaupt zu finden. Diese Komponenten der Gesundheitskompetenz sind aber essenziell auch für Prävention.“ (S. 17). Dem kann zugestimmt werden, doch bleibt bei allen angeschnittenen Themen der fade Nachgeschmack, dass der Bericht einen zentralen Aspekt nicht thematisiert: Die Lebensumstände von Menschen sind schlichtweg davon am stärksten geprägt, wie viel Geld sie besitzen und ausgeben können. Fragen nach dem Zusammenhang von niedrigem Einkommen, Lebensumständen und negativen Gesundheitsfolgen stellt der Bericht nicht. Oder anders ausgedrückt: Wer sich damit beschäftigen muss, das eigene alltägliche Leben zu bewältigen, hat weder Zeit und Muße sich um Gesundheitsprävention zu kümmern. Insofern wäre zu fragen, ob nicht die Verbesserung der Lebensbedingungen der zentrale Hebel für die Gesundheitsprävention wäre und weniger, wie Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, meint, die Verbesserung der Gesundheitskompetenz (S. 19).

Dazu passend soll an dieser Stelle noch der Schweizer Gesundheitswissenschaftler Thomas Mattig zitiert werden: „Die Entscheidung, zu rauchen oder nicht, sich zu bewegen oder nicht, sich fett und süß zu ernähren oder nicht, ist einzig und allein Sache jeder und jedes Einzelnen und liegt in seiner respektive ihrer Freiheit. Wichtig ist lediglich, dass Gesundheitsförderung dazu beiträgt, dass sich die Menschen prinzipiell frei entscheiden können.“

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