Die Suchtselbsthilfe und die Zahlen in der BADO 2019

Die Basisdatendokumentation der Hamburger Suchtberatungsstellen (BADO) ermittelt jedes Jahr im Detail und anonymisiert die konkreten Unterstützungs- und Beratungsleistungen aus der professionellen Suchthilfe. Interessant sind hier natürlich auch die Zahlen zur Selbsthilfe. Zuletzt haben wir uns im KISS-Newsletter 04/2019 intensiver mit dem Zahlenwerk auseinandergesetzt und damals zehn Jahre der Dokumentation analysiert (2008-2017). Im Jahr 2019 wurde die BADO angepasst und erweitert: „Erstmals wurden in der BADO-2019 zur Unterstützung bei der Hilfeplanung anhand neuer Items die Problembelastung, aber auch die Ressourcen zu Betreuungsbeginn durch die Mitarbeiter*innen der Suchthilfeeinrichtungen in verschiedenen Dimensionen eingeschätzt.“ (S. II). Die BADO stellt dazu insbesondere im umfangreichen Tabellenanhang viele Informationen zur Verfügung (S. 52ff). Das nehmen wir zum Anlass, um das Ende 2020 publizierte Zahlenwerk zu reflektieren, wobei sich natürlich auf die Fragen zur Suchtselbsthilfe konzentriert werden soll.

Insgesamt werden in sechs Fragestellungen in der BADO auch Antworten zur Nutzung von Selbsthilfegruppen einbezogen. Zuerst diejenige nach den Betreuungen, also danach, welche Hilfen die Betroffenen schon einmal angenommen haben. Hier spielt die Selbsthilfe praktisch keine Rolle, denn trotz Mehrfachantwort-Möglichkeiten liegt die Quote in den 16.595 Fällen bei allen Substanzen, Alkohol oder auch Glückspiel weit unter 2 % (S. 7). Nur knapp 1 % haben aus der Selbsthilfe eine Kontaktempfehlung, d.h. den Hinweis auf die Suchtberatung erhalten, wobei hier keine Mehrfachnennungen möglich sind und die meisten aus Eigeninitiative aktiv wurden (40 %), dem medizinischen Versorgungssystem (16 %) bzw. der Familie den Anstoß bekamen (13 %, S. 10). Als ergänzende suchtspezifische Betreuung schwankt die Teilnahme an Selbsthilfegruppen von 1,9 % bei den Opioiden, über 4,3 % bei Cannabis und 4,6 % bei Glückspiel bis zu 9,9 % beim Thema Alkohol. Ebenfalls dokumentiert werden „Kooperationen mit solchen Institutionen oder Personen, die konkret in die aktuelle Betreuung mit einbezogen werden. Auch persönliche, schriftliche und telefonische Kontakte mit anderen Personen und Institution zum Zwecke des Informationsaustauschs bezüglich der dokumentierten Betreuung werden als Kooperation geführt.“ (S. 12). Hier sinkt die Quote der Teilnahme an der Selbsthilfe auf durchschnittlich 1,6 % ab und schwankt je nach Substanz und Suchtproblem zwischen 0,7 (Opioide) und 2,3 % (Alkohol).

Nach der Unterstützung durch die Suchtberatungsstelle steht in fast der Hälfte aller Fälle noch eine Weiterbetreuung an, und die Selbsthilfe ist hier mit 8,1 % vertreten, wobei die Bandbreite von 16,2 % im Bereich von Alkohol, 10 % bei Glückspiel-Themen und 3-5 % bei den anderen Substanzen liegt (S. 14). Neu aufgenommen wurde die Frage nach den „Behandlungserfahrungen vor der dokumentierten Betreuung“, was sich auf die Personen bezieht, die das erste Mal erfasst wurden. Hier liegen in 12,5 % der Fälle Erfahrungen mit der Selbsthilfe vor (Alkohol: 20,7 %, Glückspiel 13,5 %, Cannabis 6,3 % und Opioide 9,6 %, Stimulanzien 9,2 %, S. 18). Da bedauerlicherweise bei den jeweiligen Tabellen im ersten Teil keine Fallzahl sondern lediglich Prozentangaben wiedergegeben und im Tabellenanhang – im Gegensatz zu vorherigen BADO-Ausgaben – keine weiteren Details zur Selbsthilfe zu finden sind, kann nur annäherungsweise erschlossen werden, um viele Personen es sich jeweils konkret gehandelt hat.

Deshalb soll an dieser Stelle – ähnlich wie schon in der Zehn-Jahres-Reflexion aus dem Newsletter 04/2019 – konstatiert werden: Je nach der jeweiligen Sichtweise kann die Häufigkeit der Verweise an Selbsthilfegruppen durch die Suchtberatungsstellen als angemessen oder als zu gering bewertet werden. Für die gruppenbezogene Selbsthilfe wäre es immer noch interessant, wenn die BADO einmal einen kleinen Auswertungsschwerpunkt dazu veröffentlichen würde, denn dadurch könnte es einen Erkenntnisgewinn geben, der sich aus den auch aktuell veröffentlichten Daten derzeit nicht erschließen lässt.

Frank Omland, Öffentlichkeitsarbeit

 

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